Bienen, insekten, Reportage
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WENN DIE FELDER VERSTUMMEN

Weltweit sterben immer mehr Insekten. Die EU hat das Problem erkannt, reagiert aber nur zögerlich. Experten fordern derweil ein Umdenken in der Landwirtschaft – denn sie bedroht die fleißigen Brummer am stärksten.

(© MAISIE COUSINS/ CONCRETE REP. LTD)

Seit 1989 sind laut einer Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld in Deutschland drei Viertel aller Insekten verschwunden. Die Politik weiß um das Problem. Union und SPD haben den Insektenschutz im Koalitionsvertrag verankert, der Schutz der Biene liegt ihnen „besonders am Herzen“. Etwa 80 Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzpflanzen werden nach Untersuchungen des Umweltministeriums von der Apis mellifera, der westlichen Honigbiene, bestäubt. Das entspricht einem volkswirtschaftlichen Nutzen von zwei Milliarden Euro im Jahr.

Doch um Majas Verwandte, beispielsweise Wildbienen, steht es deutlich schlechter. Die Hälfte aller 561 Arten – wie etwa Hummel, Mauer-, Sand- Pelz- oder Hosen­biene – steht auf der Roten Liste, weil sie nicht ausreichend Nahrung findet. Sie können nicht so weit fliegen wie die Honigbiene, weshalb Monokulturen zum echten Problem werden. Andere Insekten wie Käfer, Wespen, Schmetterlinge und Fliegen teilen das gleiche Schicksal: Mehr als die Hälfte von ihnen ist bestandsgefährdet. Auch wenn nicht alle Insekten Pflanzen bestäuben, sind sie dennoch unerlässlich für unser Ökosystem. Außerdem spielen Insekten als Gestalter des Bodens eine wichtige Rolle, denn sie zersetzen Pflanzenreste zu Humus und führen ihre Nährstoffe wieder dem Ökosystem zu. Ihre Dezimierung führt zu einer verminderten Bodenfruchtbarkeit.

Schuld am Rückgang der Biodiversität ist der Mensch: Wir begradigen Flüsse, legen Moore trocken, fällen Bäume, mähen und düngen Blumenwiesen, bis nur noch Monotones zu sehen ist. Anderswo bekämpfen wir die Natur mit Chemie oder ersticken sie unter einer Teer­decke. Besonders die Landwirtschaft trägt durch Überdüngung, die Beschränkung auf nur wenige Nutzpflanzenarten und Pestizideinsatz eine große Verantwortung am Insektenrückgang. Imkermeister Radetzki fordert ein Umdenken in Brüssel: „Die EU-Förderpolitik hat zum Ziel, europäische Agrarprodukte zum Weltmarktpreis anzubieten. Doch wir können nicht mit China mithalten, ohne die Fruchtbarkeit der Böden und die Gesundheit unserer Tiere zu gefährden.“ Er fordert Klasse statt Masse.

Im Kampf gegen den Insektentod bleibt die Biene ein wichtiger Sympathieträger und Indikator für die Gesundheit der Umwelt. Zwar gibt es laut Imkerbund mit über 800.000 Bienenvölkern wieder mehr Brummer in Deutschland. Doch das liegt schlicht daran, dass es mehr Imker gibt und die Zucht der Insekten mittlerweile ein profitables, internationales Geschäft ist: Königinnen werden um die Welt gesendet, um Bienen mit Wunsch­eigenschaften zu züchten. Auch die Imkerei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Es gibt immer mehr Hobby-Imker, etwa in den Städten. Wie ARTE in der Reportagereihe „Re:“ zeigt, ziehen zudem Wanderimker mit Bienenkästen der Blütentracht der Nutzpflanzen hinterher, um sortenreinen Honig zu gewinnen.

Autor: Julian Gutberlet

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Re: Der Wanderimker – Bienen für die Bauern

Re: Reportagereihe, Dienstag, 26.6 | 19.40 Uhr

Online verfügbar bis zum 25. Juli auf arte.tv

Kategorien: Juni 2018