FILM, Interview, Mads Mikkelsen, Men & Chicken, Schauspieler
julien.wilkens@axelspringer.de

POLITICAL CORRECTNESS NERVT MICH

In Hollywood wie auch in seiner Heimat Dänemark ist Mads Mikkelsen ein Star. ARTE zeigt „Men & Chicken“ mit ihm
in der Hauptrolle.

(© PER ZENNSTRÖM)

Seit seiner Rolle als Le Chiffre­ in „James Bond 007: Casino Royale“ (2006) spielt Mads Mikkelsen in Hollywood einen Bösewicht nach dem anderen. Seiner Heimat Dänemark ist der 52-Jährige dennoch treu geblieben – privat und beruflich. So lebt er nach wie vor in seiner Geburtsstadt Kopenhagen und dreht skurrile Filme wie „Men & Chicken“. Ein Gespräch über Bewegung, Humor und Political­ Correctness im Film.

ARTE Magazin: Wie wichtig ist Ihnen körperliche Aktivität in einem Film?
Mads Mikkelsen: Sie ist nicht ausschlaggebend dafür, ob ich eine Rolle annehme oder nicht. Wichtig ist nur der Film selbst. Interessiert er mich? Bewegt er mich? Bringt er mich zum Lachen?

ARTE Magazin: Wie war das bei „Men & Chicken“?
Mads Mikkelsen: Ich habe gelacht und gelacht und gelacht, als ich das Skript gelesen habe. Der Dreh war dann auch sehr körperlich. Wie in vielen schwarzen Komödien ist es wichtig, wie sich die Charaktere bewegen und verhalten. Die fünf Brüder sind wie Kinder, gefangen in Erwachsenenkörpern.

ARTE Magazin: Sie spielen Elias, der ständig masturbiert, ein anderer muss sich dauernd übergeben und alle hauen sich mit ausgestopften Tieren den Schädel ein. Was ist die Botschaft des Films?
Mads Mikkelsen: Regisseur Anders Thomas Jensen hat einen ausgeprägten Sinn für Absurdität.­ Zugleich sind seine Filme sehr poetisch. Die Botschaft bei „Men & Chicken“­ lautet: Es gibt einen Platz für dich auf der Welt, egal, wer du bist. Du musst ihn nur finden.

ARTE Magazin: In Hollywood-Produktionen spielen Sie in der Regel Bösewichte. Woran liegt das – an Ihrem Aussehen, Ihrem dänischen Akzent?
Mads Mikkelsen: An der Kombination, glaube ich. Den Amerikanern fehlt es ein bisschen an Fantasie. Es übersteigt ihre Vorstellungskraft, dass ein Nicht-Muttersprachler die Hauptrolle in einem Film spielen könnte. Dabei sprechen 80 Prozent der Bevölkerung mit einem Akzent. Es macht mir natürlich nichts aus, ich habe viele tolle Filme gedreht. Und oft sind die Bösewichte interessanter als die guten Kerle!

ARTE Magazin: Würden Sie in einer Hollywood-Romanze mit Happy End eine Rolle annehmen?
Mads Mikkelsen: Nun ja, ich wälze mich selten lachend auf dem Boden herum, wenn ich eine romantische Komödie schaue. Die Geschichte müsste einen besonderen Dreh haben, damit ich Ja sage.

ARTE Magazin: Sie machen einen Film nach dem anderen. ­Werden Sie auch mal müde?
Mads Mikkelsen: Gerade komme ich von einem Dreh und bin ziemlich erschöpft. Aber es dauert nie lange, bis ich dann wieder hibbelig werde.

Interview: Lydia Evers

Das vollständige Interview lesen Sie in der Juni-Ausgabe des ARTE Magazins!

Men & Chicken

Groteske, Mittwoch, 27.6 | 22.55 Uhr

Online verfügbar bis zum 3. Juli auf arte.tv

Kategorien: Juni 2018