Fahrrad, Mobilität, Umsatteln, Verkehrspolitik
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HÖCHSTE ZEIT ZUM UMSATTELN

Weltweit gewinnt das Fahrrad an Bedeutung für die urbane Mobilität. Vorbilder sind Amsterdam und Kopenhagen, aber auch deutsche Großstädte haben erkannt, dass der Verkehr nachhaltig neu geregelt werden muss.

(© Illustration: Sam Peet/ Georg Grace)

Auf einem Fahrrad-Highway kreuzungs- und abgasfrei vom Stadtrand bis zum Arbeitsplatz im Zentrum, wo in einem verglasten Parkhaus ein sicherer
Stellplatz für das teure Pedelec wartet. Klingt verlockend – jedoch leider nach Utopie. Die Gegenwart in Fahrrad-Deutschland sieht häufig eher so aus: Es
gibt zwar reichlich guten Willen, der sich in kommunalen Arbeitsgemeinschaften, Expertenforen oder dem Nationalen Radverkehrsplan manifestiert, aber
die Straße gehört vor allem dem spritschluckenden Auto.

Das deutsche Radel-Dorado schlechthin ist heute die kleinere bis mittelgroße Stadt, wo fast die Hälfte der Bewohner beinahe täglich aufs Rad steigt. Die eigentliche Herausforderung lauert in den Metropolen. Für Verkehrspolitiker und Planer, vor allem aber für die Radler selbst.Berlin, Hamburg, München oder
die Ruhrgebietsstädte sind Arenen des täglichen Kampfes zwischen Rad- und Auto­fahrern, aber auch Projektionsflächen für urbane Mobilitätskonzepte.

„Ich glaube an das Fahrrad als macht­vollstes Werkzeug, um unsere Städte besser zu machen“, schwärmt Mobilitätsexperte Colville-Andersen. Sichtbar
wird diese rollende Machtfülle im Zentrum Kopenhagens, wo allein über die Königin-Louise-Brücke täglich 48.000 Radler strampeln. 41 Prozent der innerstädtischen Fahrten zur Arbeit oder Ausbildung werden mit dem Rad zurückgelegt. Zum Vergleich: In Berlin sind es etwa 15 Prozent.

Auch bei unseren französischen Nachbarn rollt das Rad des Fortschritts – vom überaus erfolgreichen Verleihsystem Vélib bis zum 2015 verabschiedeten Aktionsplan, der Paris mit dreistelligen Millionenbeträgen bis 2020 in Europas neue Fahrradhauptstadt verwandeln soll.

Das Momentum für mehr Fahrradnutzung ist da. Spätestens seit dem Diesel­skandal sind Autofahrer in Innenstädten in der Defensive und smarte, ­grüne Verkehrsalternativen gefragt. Gute Aussichten also, dass die Abstimmung mit den Pedalen der Utopie des Fahrrad-Highways bald zum Durchbruch verhilft.

Autor: Oliver de Weert

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Das Fahrrad-Duell: Paris – Berlin

Gesellschaftsdoku, Samstag, 30.6 | 17.35 Uhr

Online verfügbar bis zum 28. September auf arte.tv

Kategorien: Juni 2018