Afrika, ARTE im Kino, FILM
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ARTE IM KINO – GLOBAL FAMILY

Die aktuelle Koproduktion, im Juni auf der großen Leinwand.

(© IMFILM)

Dokumentarfilm Die somalische Familie Shaash ist in alle Himmelsrichtungen verstreut. Der Bürgerkrieg in ihrem Heimatland hat sie ins Exil getrieben. So auch Captan Shaash. Jeder Somali kennt ihn, jeder liebt ihn. Der 60-Jährige war einst Kapitän der Fußballnationalmannschaft und ist bis heute Sinnbild für eine Zeit, als noch alles gut war. Nach seiner Fußballkarriere engagierte er sich in Somalia politisch. Er kämpfte für die Gleichberechtigung von Clans und gründete eine Partei. Kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs 1990 floh er.

Seitdem lebt er in Deutschland. Doch hier ist er ein Niemand, ein Asylant, dessen Vorgeschichte keinen interessiert. Das Einzige, was ihm blieb, ist seine Familie, deren Flucht er von Europa aus koordiniert hat. Inzwischen leben fast alle Angehörigen in Sicherheit – allerdings Tausende Kilometer voneinander entfernt.

Als seine Mutter Imra ihr Exil in Äthiopien aufgeben muss, weil sie dort unerwünscht ist, mobilisiert Captan die Familienmitglieder, um für die 88-Jährige­ einen sicheren Hafen zu finden. Doch wohin darf sie gehen? Nach Deutschland, Italien oder Kanada etwa, wohin die anderen Verwandten geflohen waren? Die Aussichten sind schlecht, die Bürokratie von Behörden und Justiz aufreibend. Am Ende bleibt die ebenso ernüchternde wie erschreckende Erkenntnis: Imra muss zurück in das vom Krieg zerrüttete Somalia.

Der Film von Andreas Köhler und ­Melanie ­Andernach behandelt neben dem Flüchtlingsthema die Bedeutung von kultureller und nationaler Identität und ist hochaktuell. Dies – und das Erörtern der Frage, welchen Stellenwert die Familie in Zeiten der Globalisierung hat – macht ihn besonders sehenswert. Beim 39. Festival Max-Ophüls-Preis wurde „Global Family“ dieses Jahr als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Regie: Melanie Andernach, Andreas Köhler
Ab dem 28.6. im Kino!

Kategorien: Juni 2018