Digital, Digitalisierung, Europa, GESELLSCHAFT, WIRTSCHAFT
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SCHNELLER DIGITALER

Die EU will Vorreiter in Sachen Zukunftstechnologien werden. Zwei Standpunkte zur Frage, wie sich das Digitalisierungsmonster zähmen lässt, ohne Innovationen einzubüßen.

(© Illustration: Nadine Redlich)

„Europa ist auf einem guten Weg, digitaler Spitzenreiter im weltweiten Vergleich zu werden.“Maria Gabriel

Europa muss ein führender Akteur in der digitalen Wirtschaft werden. Dafür hat die Europäische Kommission 2015 ihre Strategie für einen digitalen Binnenmarkt auf den Weg gebracht. Seither haben wir fast 60 Initiativen umgesetzt, von denen einige bereits positive Auswirkungen auf die EU-Bürger haben. Zum Beispiel können sie ihre Mobil­telefone im Ausland ohne zusätzliche Kosten verwenden. Bis Ende 2018 wird dann unberechtigtes Geo-Blocking verboten sein. Außerdem hat die Kommission ein neues europäisches Digitalprogramm mit einem Gesamtbudget von 9,2 Milliarden Euro vorgeschlagen, um in strategische digitale Kapazitäten in Europa zu investieren.
Im Bereich der Cybersicherheit schlagen wir ein Budget von zwei Milliarden Euro vor, um durch den Ausbau unserer Cyberschutz- und Cybersicherheitsindustrie den Datenverkehr in Wirtschaft und Gesellschaft und damit die Demokratien der EU zu schützen.
Zusätzlich müssen wir die digitalen Kompetenzen der europäischen Bürger deutlich verbessern und sie fit für die digitale Wirtschaft machen. Wir wollen 700 Millionen Euro investieren, um sicherzustellen, dass Unternehmen und öffentliche Verwaltungen ihre Mitarbeiter mit gezielten digitalen Kompetenzen weiterbilden.

„Wir dürfen nicht nur über den Atlantik schauen, wir müssen auch an uns arbeiten.“Stephan Noller

Europa ist voller kluger Köpfe und innovativer junger Digitalunternehmer, doch ohne die entsprechende Förderung müssen (immer noch zu) viele in die USA abwandern.
Wir müssen aber auch damit aufhören, nur nach Westen zu schauen. Bei der Digitalisierung ist China derzeit Weltspitze, und auch die Start-up-Szene im kleinen Israel ist lebendiger als unsere. Das wird oft übersehen.
Leider haben wir in Deutschland zwar eine ­Erfinder-, aber keine echte Gründerkultur. Die müssen wir uns erst noch erarbeiten. Laut Shell-Studie ist 95 Prozent der Jugend­lichen ein sicherer Arbeitsplatz wichtig. Gründen und Unternehmertum, das war bisher vor allem ein Eliten­thema bei uns, davon wollen die meisten eher die Finger lassen, aus Angst, sich diese zu verbrennen. Innovativ denken im Unternehmen, mit einem sicheren Arbeitsplatz, das gilt als erstrebenswert. Selbst gründen ist anstrengend und riskant.
Wir müssen uns in Europa eine eigene Start-up-Landschaft bauen, die eigenen Regeln folgt, aber genauso viel Freiraum für Innovation lässt wie anderorts.

Autoren: Maria Gabriel und Stephan Noller

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Juli-Ausgabe des ARTE Magazins!

Hysterie ums Netz

Dokumentarfilm, Dienstag, 3.7 | 23.20 Uhr
Online verfügbar bis zum 9.7.

Kategorien: Juli 2018