Dirk Peitz, Homo Digitalis, Selbstoptimierung
julien.wilkens@axelspringer.de

ALLES NUR KOPFSACHE

 
Ungewiss, aber unvermeidbar. Autor Dirk Peitz über die Zukunft des „Homo Digitalis“.

(© Sasan Pix für das ARTE Magazin)

Die Zukunft ist eine kuriose Sache: Sie existiert nur in unserer Vorstellung. Sie sich ausdenken zu können, im Guten wie im Schlechten, ist etwas, das uns als Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Wir sorgen uns furchtbar vor dem, was schlimmstenfalls eintreten könnte. Wir freuen uns aber auch sehr auf das, von dem wir hoffen, dass es eintreten möge. Doch näher kommen wir der Zukunft durch all die Utopien und Dystopien, ­Science-­Fiction-­Geschichten und Zukunftsforschung nicht. Und, das zeigt die Geschichte zurückliegender Ideen von der Zukunft: Meistens wird alles anders, als Menschen es sich einmal vorgestellt haben.

Manch Schlimmes tritt nicht ein, manch Wundervolles leider auch nicht. Denkbares lässt sich oft nicht realisieren. Oder es scheitert daran, dass es niemand will oder jemand seine Entwicklung oder Nutzung verbietet. Das Ungewisse aber, das die Zukunft im Kern darstellt, bleibt ein Motor unserer Fantasie. Und mögen wir uns auch nicht mehr ganz sicher sein, wie frei unser Wille wirklich ist: Wir können uns, wenn etwas Neues kommt, als Menschen immer noch entscheiden, ob wir es benutzen oder nicht, es tun oder lassen. Jedenfalls wenn man uns die Wahlfreiheit lässt. Wir könnten sogar selbst versuchen, etwas Neues zu schaffen, es nach unserem Willen zu formen.

Und mit all diesen Überlegungen im Hinterkopf können wir zum Beispiel die ARTE-Doku „Homo Digitalis“ betrachten, die von Zukunftsszenarien handelt und den Fragen, die sie aufwerfen. Werden wir uns bald virtuelle statt echte Freunde suchen? Werden wir irgendwann lieber mit Maschinen Sex haben als mit anderen Menschen? Werden wir unsere Körper derart optimieren, dass wir fast etwas Übermenschliches bekommen? Auf alle diese Fragen werden wir einmal mit Ja oder Nein antworten, wenn man uns lässt.

Vielleicht aber werden wir uns andere Fragen stellen, vielleicht werden sie uns auch gestellt, uns aufgezwungen. Sicher lässt sich das heute, in der Gegenwart, nicht sagen. Und das ist dann auch das Tröstliche an der Zukunft: Weil sie nur in unserer Vorstellung existiert, könnten wir sie eigentlich in Ruhe auf uns zukommen lassen, bis sie Gegenwart wird. Aber wir haben ja einfach keine Geduld, auf die Zukunft zu warten. Auch das macht uns zu Menschen.

Autor: Dirk Peitz

Homo Digitalis – Wie lange sind wir noch Mensch?

Gesellschaftsdoku, Dienstag, 29.5. | 22.10 Uhr
Online verfügbar bis zum 26. August

Du sollst dich optimieren!

Gesellschaftsdoku, Dienstag, 7.5. | 22.00 Uhr
Online verfügbar bis zum 5. August

Kategorien: Mai 2018