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DAS SCHWARZE MUSEUM

 
150 Jahre wurde um das Museum für afroamerikanische Geschichte und Kultur gekämpft. Vor Kurzem feierte es sein einjähriges Bestehen. Über ein überfälliges wie beeindruckendes Monument, das aufrüttelt.

Ein Paar 1960 vor dem Studio von Henry Clay Anderson (1911–1998) in Greenville, Mississippi. Der Fotograf dokumentierte das Leben wohlhabender Afroamerikaner (© Smithsonian Museum)

Lange Zeit war an der berühmten National Mall in Washington D.C., einer knapp fünf Kilometer langen und 500 Meter breiten Meile zwischen Kapitol und Lincoln Memorial, immer noch ein Bauplatz frei. An der gigantischen Straße befinden sich neun der insgesamt 14 ­Smithsonian-­Museen. Die Wissenstempel stehen für alle erdenklichen Themen der USA, etwa die National Portrait Gallery und das Natio­nal Air and Space Museum.

Lange um- und erstritten

Ein imposantes Bauwerk kam vor knapp einem Jahr dazu – erst. Das National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) besticht zwar auf den ersten Blick durch seine ungewöhnliche Architektur. Seine Bedeutung definiert sich jedoch durch den Inhalt: Das Museum erzählt die Geschichte der USA aus afroamerikanischer Perspektive, macht sie damit sichtbar. Seiner Eröffnung im Jahr 2016 durch den damaligen US-Präsidenten ­Barack ­Obama ging ein langer, beschwerlicher Weg voraus – und das in einem auf dem Gedanken der Multi­kulturalität aufgebauten Land.

Schon vor 150 Jahren formierten sich Stimmen, die afroamerikanische Geschichte und Kultur müsse Ausstellungsthema sein. Mit Präsident ­Herbert Clark ­Hoover (1864–1964) wurde dann eine Kommission für ein solches Vorhaben ernannt – das der Kongress jedoch nicht genehmigte. Immer fanden sich Ausflüchte: keine Baugenehmigung, kein Geld, kein Grundstück. Erst 2003 unter Präsident ­George W. Bush gelang der Durchbruch. Mehr als 100.000 Privatleute unterstützten den 540 Millionen Dollar teuren Bau durch Geldbeträge. Medienunternehmerin ­Oprah ­Winfrey gab mit 21 Millionen Dollar die größte Einzelspende.

Ein Wallfahrtsort

Dem britisch-ghanaischen Lead-Designer ­David ­Adjaye und dem leitenden afroamerikanischen Architekten ­Philip ­Freelon ist mit dem Bau ein Erlebnisraum gelungen, der Gefühle weckt.
„Wir haben viel darüber nachgedacht, was ein Museum des 21. Jahrhunderts sein sollte. Dass es ein Ort sein könnte, an dem es genauso um heute und morgen geht wie um gestern. Ein Ort, der den Diskurs ermöglicht, mit den Objekten im Mittelpunkt“, sagt Gründungsdirektor ­Lonnie G. Bunch III. Ausschließlich Originalexponate sollten ausgestellt werden, um die Aura von wirklichen Dingen zur Geltung zu bringen. Zudem sollte nicht nur ein Museum, sondern eine Sammlung aufgebaut werden, die Menschen emotional zu berühren vermag – von Entsetzen bis Stolz. Das Konzept wurde zu einer Erfolgsgeschichte: Im ersten Jahr wurden mehr als drei Millionen Besucher gezählt, täglich kommen 7.000 bis 8.000 Menschen. Nirgendwo in den USA ist es schwieriger, Eintrittskarten zu bekommen. „Während wir einen Ort schufen, von dem wir annahmen, dass er wichtig wäre, ahnten wir nicht, dass er zu einem Wallfahrtsort werden würde“, sagt Bunch III.

Autorin: Carla Susanne Erdmann

Den ganzen Artikel finden Sie in der April-Ausgabe des ARTE Magazins.

Das Schwarze Museum

Kulturdoku | Mittwoch, 18.4., 22.05 Uhr
bis 17. Juli auf arte.tv

Kategorien: April 2018