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OH JOHNNY

 

Jonathan Meese und seine Mutter betreten für ARTE Neuland: Sie malen in der Virtual Reality. Ein Gespräch über die Zukunft der Kunst und ihre Liebe füreinander.

Familienunternehmen: Jonathan Meese liebt es, seine 88-jährige Mutter Brigitte als Teil seiner Kunst zu inszenieren. Sie hilft ihm dafür bei Papierkram und beim Aufräumen seines groß geratenen Berliner Ateliers (© Andy Kania)

Johnny, was machst du denn? Jetzt hast du schon wieder eine andere Farbe genommen“, ruft ­Brigitte ­Meese ihrem Sohn zu. „Die anderen sind leer“, sagt ­Jonathan ­Meese und schreitet mit einem frischen Eimer Neonrot durch sein Riesenatelier, das 1908 errichtete ehemalige Pumpwerk im Prenzlauer Berg in Berlin. Selten erlebt man einen weltbekannten Künstler, wie er von seiner Mutter, mittlerweile 88, getadelt wird. Und gelobt, geneckt, geliebt. Bei ­Meese, 48, gehört das seit Beginn seiner Karriere dazu wie der Krawall, den er so gern um sich und sein Werk entfacht. „Ein Küsschen? Macht ihr so was?“, fragt der Fotograf schließlich. Da schweigt ­Meese verlegen. „Nein“, sagt Mutter ­Brigitte entschieden. „Wir arbeiten zusammen.“ Es ist ein Familienunternehmen der besonderen Art, das die Meeses da zelebrieren. Wer will, kann nun ganz unmittelbar eintreten in diese Welt. Dank Virtual Reality (VR).

ARTE Magazin: Herr Meese, Sie inszenieren Ihre Mutter auf Bildern, bei Ausstellungen und im Internet als Teil Ihrer Kunst. Für ARTE nun erstmals auch virtuell erlebbar. Warum?
Jonathan Meese: Wir lassen uns beide gerne von Neuem begeistern. Heute passieren Dinge in der Kunst, die es vor fünf Jahren nicht gab, und da nutze ich so ein VR-Projekt, um mal mit einem ganz anderen Medium zu spielen. Sicher wird es Leute geben, die sagen: „Oh, die alte Leier: Muttersöhnchen und so.“ Aber wer denkt, dass es eine Masche ist, dass ich meine Mutter liebe, ist bekloppt. Ich habe meine Mutter zu einer Kunstform erhoben, zu einer Kunstfigur. Sie steht zur Verfügung, ist risikobereit, uneitel, stoisch und dabei geschmeidig und zuverlässig. Genauso wenig ist es eine Masche, dass ich seit 25 Jahren professionell Kunst mache. Es ist auch keine Masche, dass ich atme, dass ich gerne Abba höre, dass ich unendlich viele Kunstwerke gemacht habe und zig tausende Seiten Text geschrieben habe. Was ist daran eine Masche? Das ist doch Quatsch!
Brigitte Meese: Jonathan, werd’ nicht gleich sauer.
Jonathan Meese: Doch. Da werde ich sauer. Aber ich kann auch sehr gut darüber lachen. Es wäre ja so, als würde ich zu Karl Lagerfeld sagen, es sei eine Masche, dass er Mode macht. Oder ­Andy ­Warhol, warum hatte er eine Perücke auf? War das eine Masche?

ARTE Magazin: Ihre innige Beziehung fußt sicher auf einer glücklichen Kindheit. Welche Erinnerungen haben Sie?
Jonathan Meese: Immer, immer schön zu Hause sein. Musik hören. Bücher vorgelesen bekommen und selber lesen. Einbunkern. Spielen, spielen, spielen. Das war, was ich als Kind geliebt habe.

ARTE Magazin: Wie wichtig ist Familie für Ihre tägliche Arbeit als Künstler?
Jonathan Meese: Familie wird für mich immer wichtiger. Viele Menschen denken, woanders sei das Geilste. Ich finde: Zu Hause ist das Geilste. Ich brauche Menschen wie meine Mutter, meine Freundin und Profis wie meine Mitarbeiter um mich herum, die mir das Gefühl geben: Wir sorgen uns um alles. Du brauchst keine Realität, du machst einfach deine Kunst und kannst spielen. So kann Radikales entstehen.
Brigitte Meese: Jonathan war in der Familie immer das Maskottchen. Seine beiden Geschwister sind acht und neun Jahre älter. Die haben es geliebt, mit ihm herumzualbern, zu spielen und Biene Maja zu gucken.

Autoren: Bernd Skischally und Julian Gutberlet

Den ganzen Artikel finden Sie in der April-Ausgabe des ARTE Magazins.

BRIGITTE & JONATHAN MEESE: MUTTER UND SOHN = REALITÄT TRIFFT KUNST (Z.U.K.U.N.F.T. DER UNENDLICHKEIT)

360°-Film/VR Experience | ab Mittwoch, 21.4.

Kategorien: April 2018