Weltfrauentag

MIND THE GAP – ACHTUNG, LÜCKE

Von #MeToo bis Gender Pay Gap: Wie weit sind wir eigentlich im Jahr 2018 in Sachen Gleichstellung von Frauen und Männern? Eine kurze Zwischenbilanz.

Pinker Protest: Beim Women’s March on Washington im Januar 2017 demonstrierten Hunderttausende für Frauenrechte (© Oliver Contreras / For the Washington Post via Getty Images)

Dies ist keine Abrechnung. Schon gar keine mit Männern. Denn dieser Text wurde von einer Frau und einem Mann recherchiert und geschrieben, von einer Mutter und einem Ehemann, von einer, die das Allgäu ihre Heimat nennt, und einem aus der niedersächsischen Provinz. Es ist vielmehr eine Zwischenbilanz: Unterm Strich, wie steht’s 2018 in Sachen Gleichstellung? Ja, wir nehmen dieses Wort in den Mund, auch wenn es im Deutschen so viel sperriger und technokratischer klingt als „égalité“ oder „equality“. Es beschreibt jedoch genau, worum es uns geht: um dieselben Rechte, Chancen, Machtanteile, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten von Männern und Frauen.

Uralte Bilder

In Zeiten von Women’s March, ­#MeToo und jetzt #TimesUp wird die Frage nach dem Stand der Dinge umso drängender. Denn auch wenn sich das Frauenwahlrecht in Deutschland zum 100. Mal jährt, die Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter bereits in der Internationalen Erklärung der Menschenrechte von 1948 verankert worden ist, es seit zwölf Jahren eine Bundeskanzlerin gibt und in vielen Bereichen, in denen Frauen früher benachteiligt wurden, Fortschritte erzielt wurden, scheint das Verhältnis der Geschlechter noch furchtbar im Argen zu sein. Ein System, das sich selbst füttert, führt dazu, dass Frauen abhängig von Männern bleiben und damit auch weniger selbst zum Zug kommen, Macht auszuüben. Eine Welle globaler Solidarität von Frauen und auch einiger Männer hat sich in den letzten Monaten entfaltet; die Empörung, die sie trägt, richtet sich gegen Machotum und sexuelle Gewalt, gegen Machtmissbrauch der immer noch in der Vielzahl männlichen Mächtigen.

Frau zu sein bedeutet, Objekt und schwach zu sein, das ist die Kehrseite der #MeToo-Bewegung. Denn was dominiert, sind die vielen Opfergeschichten von Frauen – und die bedenklichen Gegendarstellungen, wonach es sie selbst seien, die sich in gewisse Situationen gebracht hätten. Objekt der Begierde, Projektionsfläche männlicher Urängste vor „Entmännlichung“ und Verlust der Oberhand – dieses Bild von Frauen ist tatsächlich uralt. Ebenso wie die Frage: Ist eine Frau, die sich als solche zu erkennen gibt, dann auch selbst schuld? Venus und Medusa, Salome und natürlich die Mutter allen männlichen Übels: Eva. Unzählige Male in Film und Kunst repliziert. Sind wir keinen Schritt weiter?

Jenseits von Hollywood

„Ich glaube, dass es jetzt wichtig ist, auch die Geschichten normaler Frauen zu hören. Denn auch wenn du kein Hollywood-Star bist, hast du vermutlich schon einmal sexuelle Belästigung oder Erniedrigung erlebt“, sagt Eliza Hatch. Die ARTE-Sendung „Re: Mach mich nicht an! London im Zeichen von #MeToo“ begleitet Hatch durch ihre Heimatstadt, wo sie mit Frauen an Orte zurückgeht, an denen diese sexuelle Belästigung erlebt haben. Hatch fotografiert sie dort und stellt Bild und persönliche Erzählung dann ins Internet. „Ich möchte, dass die Welt diese Geschichten kennt“, sagt sie. „Für die Frauen geht es darum, diese Orte wieder für sich einzunehmen, etwas Negatives in etwas Ermutigendes zu verwandeln. Und jede Form von Einschüchterung oder Verletzlichkeit hinter sich zu lassen.“

In der Europäischen Union (EU) erfährt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt, jede zweite sexuelle Belästigung. „Geschlechtsbasierte Gewalt gegen Frauen ist sowohl der Grund als auch die Folge von Ungleichheit“, erklärt Virginija Langbakk, Direktorin des European Institute for Gender Equality (EIGE). „Das oberste Ziel ist deshalb, Gewalt gegen Frauen komplett auszulöschen und parallel dafür zu sorgen, dass Männer und Frauen in allen Lebensbereichen gleichgestellt werden.“ Hier, so Langbakk, habe es in den vergangenen zehn Jahren in der EU zwar Fortschritte gegeben, aber: „im Schneckentempo. Von 100 Prozent für komplette Gleichstellung erzielen wir in der EU derzeit 66,2 Prozent, gerade vier Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. Der Kampf geht also weiter.“

Text: Shila Meyer-Behjat (Chefredakteurin ARTE Magazin), Oliver de Weert (Redakteur ARTE Magazin)

Den ganzen Artikel finden Sie in der März-Ausgabe des ARTE Magazins!

(© Lana Bragina)

Weltfrauentag – Viel erreicht, viel zu tun: Rund um den 8. März, den Internationalen Frauentag, widmet sich ARTE facettenreich dem weiblichen Blickwinkel und Selbstverständnis in unserer Zeit. Ein Programm auch für Männer. Mehr auf: arte.tv/frauen

Viele weitere spannende Artikel zum Thema „Frauen“ lesen Sie in der März-Ausgabe des ARTE Magazins!

Das ARTE-Programm zum Thema „Weltfrauentag“ finden Sie in der ARTE-Mediathek unter:

Weltfrauentag – Viel erreicht, viel zu tun

Kategorien: März 2018