7. Symphonie, Dmitri Schostakowitsch, Leningrad Symphonie

MUSIK VS. TODESANGST

1942 wird im belagerten Leningrad Dmitri Schostakowitschs 7. Symphonie aufgeführt. Wie ein Konzert der hungernden Bevölkerung neue Hoffnung gibt.

Premiere von Schostakowitschs 7. Symphonie mit dem Leningrader Radio Orchester (© Ullstein)

So voll wie an jenem Abend im Spätsommer 1942 war die Leningrader Philharmonie noch nie. Erstmals seit einem Jahr wird im Konzerthaus der belagerten Stadt wieder Musik gespielt. Frenetischer Applaus, als Dirigent Karl ­Eliasberg die Bühne betritt. Eine Verbeugung, das Stück beginnt. Kaum vorstellbar, wie die Symphonie auf Menschen gewirkt haben muss, die seit 365 Tagen hungern, frieren, um ihr Leben bangen.

I. Krieg

Harmonische Klänge in hellem C-Dur reißen die Zuhörer für einen Moment aus ihrem Alltagsleid, lassen sie träumen. Doch Trommeln und Geigen kündigen im Marschrhythmus die Invasion der deutschen Truppen an. Die Schlagzeugsalven werden lauter, die Bläser immer energischer, bis das Crescendo eskaliert. ­Dmitri ­Schostakowitsch hat den ersten von vier Sätzen der Symphonie einst mit „Krieg“ betitelt, auch wenn er die Satzbezeichnungen später zurücknahm. Im Juni 1941 ist die Wehrmacht in der Sowjetunion eingefallen und steht bald darauf vor Leningrad, dem heutigen Sankt Peters­burg. ­Hitlers perfider Plan, die Bevölkerung auszuhungern, ist beispiellos in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

Am 8. September 1941 schließt die Wehrmacht den Belagerungsring um die drei Millionen Einwohner große ­Metropole an der Newa und fliegt Luftangriffe, die viele Wohnviertel in Trümmerfelder verwandeln. Der Himmel färbt sich feuerrot, Menschen rennen schreiend durch die Straßen und sind doch kaum lauter als der unaufhörliche Alarmton der Sirenen.
Unter ihnen ist auch Feuer­wehrmann Dmitri ­Schostakowitsch. Tagsüber rettet er Überlebende aus Trümmern, nachts komponiert er. Der 35-Jährige ist beim Regime in Ungnade gefallen, ­Stalin kritisiert seine Werke als „linksradikal“. Doch das Wunderkind ist international berühmt, weshalb der Diktator ­Schostakowitsch den Auftrag gibt, eine „Hymne gegen den Faschismus“ zu komponieren.

Flugabwehr an der Isaakskathedrale im belagerten Leningrad (© Ullstein)

Autor: Julian Gutberlet

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LENINGRAD SYMPHONIE – EINE STADT KÄMPFT UM IHR LEBEN

Dokudrama, Dienstag, 27. Februar, 21.45 Uhr
Online verfügbar bis zum 13. April. Mehr auf arte.tv

Kategorien: Februar 2018