Claude Lanzmann, Vier Schwestern
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CLAUDE LANZMANN: „ICH WOLLTE LEBEN GEBEN“

Mit einem weiteren Werk verarbeitet der französische Regisseur Claude Lanzmann Erinnerungen Überlebender des Holocaust. ARTE zeigt „Vier Schwestern“ im Januar. Welche Einblicke bieten die Zeugnisse?

Getty Images © Hélène Pambrun / Paris Match

Ortstermin in Paris: Interviews gibt Claude Lanzmann, 92, kaum. Doch mit seinem Freund, dem Autor ­Serge ­Toubiana, sprach er über „Vier Schwestern“. Das ARTE Magazin war dabei.

Toubiana: Claude, ich würde sagen, die Intensität der „Vier Schwestern“ entsteht durch die Konfrontation von Wissen und Erinnerung.
Lanzmann: Ja, sie lebt von den Memoiren dieser Frauen vor dem Hintergrund der Geschichte. Mir war es aber auch wichtig, eine Spannung zu erzeugen.

Toubiana: Das ist gelungen, die Filme haben etwas Fiktionales. Du bist darin der Karto­graf, der das umspannende Ausmaß kennt.
Lanzmann: Anders ging es nicht. Sonst hätte ich diese Frauen nicht befragen können. Hätte nicht ihre intimsten Erlebnisse erfahren. Es gab eine enge Verbindung, eine „fraternité“.

Toubiana: Hast du weitere Frauen mit ähnlichem Schicksal getroffen?
Lanzmann: Natürlich.

Toubiana: Aber sie kommen nicht alle vor, auch nicht in „Shoah“?
Lanzmann: Dann hätte „Shoah“ bereits ein Film über sie werden müssen. In „Vier Schwestern“ habe ich mich bewusst für ihre Geschichten entschieden. Ihnen wollte ich Leben geben.

Protokoll: Shila Meyer-Behjat
Das vollständige Interview sowie ein ausführliches Porträt des außergewöhnlichen Filmemachers finden Sie in der Januar-Ausgabe des ARTE Magazins.

Claude Lanzmanns Lebenswerk „Shoah“ gilt als Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit dem Genozid an den Juden. In dieser Reihe widmet er vier Frauen – Ruth Elias, Ada Lichtman, Paula Biren und Hanna Marton – mit denen er ursprünglich für „Shoah“ lange Gespräche geführt hatte, einen eigenen Dokumentarfilm.

Vier Schwestern

4-tlg. Dokumentarfilmreihe ab Dienstag, 23.1., 20.15 Uhr
Online verfügbar bis zum 22. März

Weiterer Film zu Claude Lanzmann:

Claude Lanzmann – Stimme der Shoah

Porträt, Dienstag, 30.1., 00.20 Uhr
Online verfügbar bis zum 5.Februar

Kategorien: Januar 2018