Liberace, Matt Damon, Michael Douglas

MIT SINN UND VERSTAND

Vor 20 Jahren wurde Matt Damon über Nacht zum Star. Heute ist er in Hollywood einflussreicher denn je. Ein Porträt.

© Nigel Parry/CPI-Syndication

Es ist eine Lektion in Gelassenheit, Matt Damon zu treffen. Nicht etwa, weil dieser gern auf sich warten lässt, wie es vielleicht andere tun. Sondern weil dieser Superstar eine Ausgeglichenheit ausstrahlt, die so nicht vorzutäuschen ist: absolut tiefenentspannt scheint er zu sein, komplett in sich ruhend. Und das zeigt er auch gern mit seinem einnehmenden Lächeln, dem direkten Blick. Längst hat er sich in Hollywoods Top-Liga etabliert. Vor genau 20 Jahren wurde der 1970 geborene Schauspieler über Nacht zum Superstar. Sein Film „Good Will Hunting“ war bei den Oscars 1998 gleich neun Mal nominiert. Der bis dato eher unbekannte ­Damon spielte nicht nur die Hauptrolle neben ­Robin ­Williams, sondern hatte gemeinsam mit seinem alten Schulfreund Ben ­Affleck auch das Drehbuch geschrieben. Die Vorlage dafür hatte Damon bereits in Harvard im Rahmen eines Studienprojekts verfasst. Am Ende gewann ­Robin ­Williams den Oscar als bester Nebendarsteller – ­Affleck und ­Damon nahmen die Auszeichnung für das beste Drehbuch mit nach Hause. Gerade mal 28 Jahre jung war Damon da. Fortan mauserte er sich zur ebenso verlässlichen wie wandelbaren kreativen Größe in Hollywood. Als Schauspieler, Produzent und Autor gleichermaßen.

Einzelgänger
Die Eltern ließen sich scheiden, als Matt ­Damon zwei Jahre alt war. Selbstzweifel und Unsicherheit waren auch aufgrund der brüchigen Familienverhältnisse seine ständigen Begleiter auf dem Weg zum Erwachsensein. ­Damon war ein Einzelgänger: „Ich verbrachte die meiste freie Zeit in meinem Zimmer. Allein. Ich war ein klassischer Außenseiter“, erinnert er sich an die frühen Jahre in Massachusetts. Er flüchtete sich oft in die fiktive Welt von Büchern. Und fand Abwechslung, Anerkennung und seinen späteren besten Freund Ben ­Affleck in der Theatergruppe seiner Schule. „Ben ist für mich eine Art Seelenverwandter. Ich kenne ihn, seit er fünf Jahre alt ist“, sagt ­Damon über seinen Weggefährten ­Affleck. Die beiden wohnen in L. A. mit ihren Familien bis heute nur ein paar Kilo­meter voneinander entfernt.
Mit einem gewachsenen künstlerischen Anspruch – und der gleichzeitigen Familiengründung – war über die Jahre eine deutliche Persönlichkeitsveränderung bei Matt ­Damon zu beobachten. Und das wurde vor allem in Interviews deutlich. Früher gab er in Pressegesprächen noch den charmanten Spaßvogel. Den unbeschwert wirkenden Sunnyboy, der reihenweise hübsche Kolleginnen wie ­Winona ­Ryder, ­Claire ­Danes und ­Minnie ­Driver liebte. Heute wirkt ­Damon viel nachdenklicher und tiefsinniger.

»Wir halten den Klimawandel für eine Spinnerei,
obwohl er klar erkennbar ist «
Matt Damon

Er nutzt Interviews bewusster, um auch seine eigenen Interessen als humanitärer Kämpfer zu thematisieren. Um Aufmerksamkeit auf Hilfsprojekte wie „H2O ­Africa“ zu lenken, die er ins Leben gerufen hat. Mit Freunden wie ­George ­Clooney und Brad Pitt gründete er zudem die Organisation „Not On Our Watch“, die Massenmorde in Diktaturen aufdeckt. Es geht bei ­Damon nicht mehr nur um das eigene Ego. Matt ­Damon – der Familienmensch und Künstler – will Sinn machen. „Als Vater habe ich noch mehr den Drang, meinen Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen“, sagt er.

Autor: Andreas Renner

Den ganzen Artikel finden Sie in der Januar-Ausgabe des ARTE-Magazins.

LIBERACE – ZU VIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL

Filmbiografie Mittwoch, 10.1., 20.15 Uhr
bis 16. Januar auf arte.tv

Kategorien: Januar 2018