antifaschistische Widerstand, Freundeskreis ­Harnack/Schulze-­Boysen, Gegner, Günther Weisenborn, Margarete Schnabel, Nachkriegsgeneration, NS-Diktatur, Rote Kapelle
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HUMANISTEN IM UNTERGRUND

Die Eltern vieler Kinder der Nachkriegsgeneration waren Nazis oder Mitläufer. Meine nicht. Sie gehörten zur „Roten Kapelle“. Nur knapp entgingen sie der Hinrichtung.

Dem Nazi-Terror entronnen, erleben Günther, Christian, Joy und Sebastian Weisenborn (v.l.) glückliche Zeiten in Hamburg (© Getty Images / Christian Weisenborn)

Eines Tages würde dieser Film auf mich zukommen, das wusste ich immer schon: ein Film über meine Eltern, den Schriftsteller Günther Weisenborn und seine Frau Joy, geborene Margarete Schnabel. Beide waren aktiv im Widerstand gegen die NS-Diktatur in der von der Gestapo so genannten Roten Kapelle. Die Gruppe traf sich ab den 1930er Jahren in Berliner Wohnungen, machte Ausflüge ins Umland, flirtete, feierte. Und bildete politische Diskussionszirkel. Den Reden folgten Taten – oftmals Aktionen, die zur Zeit der Hitler-Diktatur mit Gefängnis- oder gar Todesstrafe geahndet wurden.

Der antifaschistische Widerstand meiner Eltern fußte auf humanistischen Idealen, auf Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden. Der Nationalsozialismus hatte diese Ideale aus dem Alltag der meisten Deutschen getilgt. Rund 200 Gleichgesinnte gehörten dem Freundeskreis ­Harnack/Schulze-­Boysen an. In dessen Zentrum standen Arvid ­Harnack, Libertas und Harro Schulze-Boysen, die „Schu-Boys“. 15 von ihnen engagierten sich schon vor 1933 in kommunistischen und sozialistischen Jugendverbänden. Nach ­Hitlers Machtübernahme einte sie alle der Gedanke, das Unrechtsregime zu bekämpfen und die Menschen aufzuklären über die Gräuel der NS-Diktatur, über Hitlers Kriegs- und Angriffspläne, über die Verbrechen der Wehrmacht. Sie druckten Flugblätter, versteckten Menschen, verhalfen vielen zur Flucht.

Engagierte Männer und Frauen unterschiedlichster Herkunft zählten zu dem Kreis. Ein Spiegel der Gesellschaft – vom Proletariat bis zum Großbürgertum, die meisten mit künstlerischem, wissenschaftlichem oder technischem Hintergrund. Junge und Alte, Christen, Sozialisten, Kommunisten, Arbeiter, Studenten, Ärzte, Offiziere, humanistisch geprägte Bürgerinnen und Bürger.

Autor: Christian Weisenborn

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Dezember-Ausgabe des ARTE Magazins!

Die guten Feinde:
Mein Vater, die Rote Kapelle und ich

Dokumentarfilm, Mittwoch, 12.12. | 22.50 Uhr
Online verfügbar bis zum 18. Dezember!

Kategorien: Dezember 2018