Balkan, Frauen, Friedensnobelpreis, Gewalt, Krieg, Kroatien, Nadia Murad, Slavenka Drakulic
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„KEIN BEIWERK DES KRIEGES“

Vergewaltigung als Waffe. Der Friedensnobelpreis setzt ein dringend benötigtes Zeichen, schreibt die kroatische Autorin Slavenka Drakulić.

Die kroatische Journalistin Slavenka Drakulic hat in vielen Beiträgen den Balkankrieg thematisiert (© Illustration: Jindrich Novotny für das ARTE Magazin)

Als ich hörte, dass Nadia Murad den diesjährigen Friedensnobelpreis bekommen wird, musste ich sofort an ­Mershia denken: auch eine junge Frau, blass und sehr schmal, aber sehr entschlossen. Ihre Schilderungen sparten kein Detail aus. Sie war das erste Vergewaltigungsopfer, das ich kennengelernt habe. Das war 1992. Sie war eine von vielen, sehr vielen. Es sollen bis zu 50.000 Frauen und auch einige Männer gewesen sein, die während des Krieges, der zwischen 1991 und 1995 auf dem Balkan tobte, sexuelle Gewalt erlebten. Dass Frauen über diese Verbrechen aussagten, war eine Neuheit. Dass ihre Aussagen am Internationalen Strafgerichtshof Eingang fanden, noch mehr. Sie widerlegten damit vehement die Annahme, Vergewaltigungen seien ein Kollateralschaden des Krieges. Die Verfahren gegen die Kriegsverbrecher aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien bewiesen, dass alle Kriegsparteien Frauen vergewaltigt hatten, wobei die meisten Opfer Muslima waren und die meisten Täter serbische Paramilitärs. Das Gericht stellte fest, dass die Vergewaltigungen systematisch und vorsätzlich waren, gedacht als Waffe zur ethnischen Säuberung der jeweiligen Gebiete. Die Vergewaltiger selbst akzeptierten diese Auslegung nicht.

Autorin: Slavenka Drakulić, Journalistin

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Dezember-Ausgabe des ARTE Magazins!

Nadia Murad

Dokumentarfilm, Sonntag, 9.12. | jeweils 22.20 Uhr
Online verfügbar bis zum 8. März 2019!

Kategorien: Dezember 2018