Jenseits von Afrika, Karen Blixen
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KAREN BLIXEN: DIE BESTSELLER-AUTORIN

Erst Kolonialherrin, dann Schriftstellerin: Das Leben der Dänin Karen Blixen lieferte die Vorlage für „Jenseits von Afrika“ – und ist doch mehr als ein Film.

© Getty Images

Karen Blixen hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong-Berge. Doch statt der flirrenden Luft der Savanne sieht sie im Alter nur die Rauchschwaden ihrer Zigarette, die sich an der Fensterscheibe niederschlagen. Ihre Wangen sind eingefallen, ihre Stimme ist brüchig. Immer wieder stockt sie, fängt den Satz von vorn an: „Mit Afrika habe ich meine Identität verloren.“ Dann erzählt sie ihre Geschichte, eingefangen in einer ARTE-Dokumentation.

Mit 28 Jahren flüchtet die Dänin, Jahrgang 1885, aus ihrem streng religiösen Elternhaus. Sie heiratet ihren Großcousin, den schwedischen Baron Bror Fredrik von Blixen-Finecke­ und zieht mit ihm nach Kenia, das gerade als Britisch-Ostafrika kolonisiert wird. Von hier an kennt man Blixens Lebensweg aus dem oscarprämierten Film­klassiker „Jenseits von Afrika“ von Sydney Pollack, in dem sie von einer willensstarken ­Meryl Streep verkörpert wird, ihr Baron von Klaus ­Maria ­Brandauer. Sie versucht sich als
Betreiberin einer Kaffeeplantage – und gehört plötzlich zur kolonialen High ­Society. Hier ist sie nicht „Tanne“, die kleine Dänin, sondern M’sabu, Herrin über mehr als tausend Arbeiter.

Weltkrieg, Dürre, Rinderseuche und der britische Importstopp für Kaffee treiben Blixen aber schließlich an den Rand des Ruins. Die Folge: ­Blixen zieht sich in die Natur zurück. Sie verliebt sich in die weite Savanne – und in den britischen Offizier ­Denys Finch ­Hatton (im Film: ­Robert ­Redford). Statt Löwen zu schießen, schützt sie die Tiere nun. Sie schreibt gegen die Ausbeutung afrikanischer Stämme und kämpft für die Rechte ihrer Arbeiter. Mit poetischer Präzision bannt ­Blixen die Vielfalt des Kontinents in Worte und schreibt über die Liaison von Kultur und Natur. Ein Happy End gibt es in „Jenseits von Afrika“ jedoch nicht. ­Blixen bleibt allein mit einer Depression zurück.

„Träumen ist ein manierlicher Weg, Selbstmord zu begehen“, schreibt sie nach ihrer Rückkehr in die dänische Heimat in ihr Tagebuch. Und sie träumt viel fortan – und schreibt noch mehr. Ihre Erzählungen aus Afrika finden manche Zeitgenossen kitschig und realitätsfern. Andere kritisieren, ihre märchenhaften Geschichten würden den Rassismus der Kolonialzeit verharmlosen.
Berühmte Kollegen wie ­Ernest ­Hemingway oder ­Truman ­Capote outen sich dennoch als Verehrer ihrer Schreibkunst. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1962 gilt ­Blixen mehrfach als Kandidatin für den Literaturnobelpreis. Doch als Frau in einer chauvinistischen ­Altherren-­Bohème bleibt sie Dauergast auf der Shortlist für die Auszeichnung. Als ­Hemingway den Preis 1954 entgegennimmt, sagt er: „­Karen ­Blixen hätte ihn mehr verdient als ich. Sie gehört zu den großen Frauen des Jahrhunderts.“

Autor: Julian Gutberlet

Karen Blixen – Der Traum einer afrikanischen Nacht

Porträt Sonntag, 7.1., 22.50 Uhr
Online verfügbar vom 7. bis zum 13. Januar

 

Kategorien: Januar 2018