Geiger, Mozart, MUSIK, Violinist

Nikolaj Znaider: „ICH WÜRDE GERNE EINSTEIN UND MOZART ZUM DINNER TREFFEN“

Er gilt als einer der begabtesten Geiger unserer Zeit und begeistert gleichzeitig als Dirigent auf den größten Bühnen der Welt.

© Lars Gundersen

Herr Znaider, Sie gelten aktuell als einer der weltweit größten Violinvirtuosen und sind gleichzeitig ein erfolgreicher Dirigent. Wann haben Sie den Entschluss gefasst, Geiger zu werden?

Naja, es war so wie mit vielen Dingen, die man als Kind entscheidet. Es war in sehr, sehr frühen Jahren. Viele wollen Feuerwehrmann werden. Und ich wollte eben schon immer Geiger werden.

Und woher kam das Bedürfnis, auch Dirigent werden zu wollen?

Es verlief sehr ähnlich. Man sollte sich nicht entscheiden, Musik zum Beruf zu machen. Es müsste so sein, als ob die Musik für einen auserwählt wurde bzw. so, als hätte sich die Musik für einen entschieden. Das ist in keiner Weise elitär gemeint, ich will damit nur sagen, dass Musik etwas sein muss, ohne das man sich sein Leben nicht vorstellen kann. Dasselbe gilt also auch für das Dirigieren.

Welches Instrument würde Sie gerne noch erlernen?

Ich würde gerne Klavier spielen – und auch Horn, aber das ist nicht so einfach ….

Gab es jemals einen ganz anderen Job, den Sie hätten ausüben wollen oder der Sie heute noch reizt?

Nicht wirklich. Ich habe irgendwann gedacht, dass ich sicherlich einen wunderbaren Spion abgegeben hätte, aber das war eine etwas romantische Sicht auf dieses Metier…(lacht). Aber ernsthaft habe ich nie einen anderen Werdegang als den des Musikers in Erwägung gezogen.

Und bleibt bei Ihrem Metier noch Zeit für andere Hobbies als Musik?

Ich mache gerne Sport, gebe aber zu, dass ich kaum Zeit dafür habe. Das Gute ist, und ich weiß, dass ich damit großes Glück habe, dass Musik eben mein größtes Hobby ist.

Inwiefern unterscheiden sich die Emotionen, die durch das Violinspiel einerseits und das Dirigieren andererseits ausgelöst werden?
Für mich sind es dieselben Emotionen. Natürlich ist die Funktion unterschiedlich. Beim Dirigieren hat man nicht die direkte Kontrolle über den Sound, der produziert wird. Man wird auf andere Weise Teil einer größeren Sache.

Haben Sie einen Lieblingskomponist?

Einen Komponist hervorzuheben, ist kaum möglich, aber ich liebe Richard Strauss, Richard Wagner, Gustav Mahler, Mozart und Beethoven.

Sie haben bereits mit Größen wie Barenboim zu tun gehabt. Mit welchen Künstlern würden Sie noch gerne zusammenarbeiten?

Es gibt sehr viele, denen ich gerne begegnen würde, aber die meisten davon sind leider nicht mehr am Leben. Es müsste auch keine Zusammenarbeit sein, ich wäre schon glücklich, wenn ich in einer Epoche leben würde, in der ich bestimmte Personen erleben dürfte. Gerne würde ich zum Beispiel Leonard Bernstein im Konzert sehen. Oder auch zum Dinner mit Mozart und Einstein gehen.

Haben Sie eine Lieblingskonzerthalle?

Da wären zum Beispiel die Scala in Mailand oder die Carnegie Hall. Diese Spielstätten sind mythisch und mit einer besonderen Aura versehen. Aber es gibt zum Glück heutzutage in der ganzen Welt sehr gute zeitgenössische Bühnen, etwa im spanischen Saragossa oder auch vielerorts in China.

Blicken wir auf die Rolle von Musik in Ihrem Heimatland Dänemark. Wird dort genug für die musikalische Erziehung von Kindern getan?

Nein, leider nicht. Und das besorgt mich. Ich würde gerne Teil eines positiven Wandels sein. Zwar gibt es private Stiftungen, die sich einsetzen, aber eine staatliche musikalische Erziehung, wie wir sie vor 20 Jahren kannten, gibt es in der Form nicht mehr. Kinder dürfen dabei nicht gezwungen werden. Man sollte sie aber ermutigen, von passiven Konsumenten zu aktiven Musikern zu werden. Und wenn man einmal von der Magie des Musizierens ergriffen wurde, wird man nie wieder der alte sein.

Sie haben einen dänischen, polnischen und jüdischen Familienhintergrund und haben während Ihrer Ausbildung mit russischen Musikern gearbeitet. Wie hat dieses multikulturelle Ambiente Ihre Musikkarriere beeinflusst?

Ich kenne es gar nicht anders, deswegen fehlt mir diesbezüglich ein Vergleich. Es war für mich immer ganz normal, unterschiedliche Identitäten zu haben. An unterschiedlichen Orten gelebt und viele Kulturen gekannt zu haben, hat mich sicherlich bereichert.

Kann Musik die Welt verbessern?

Nicht von sich aus, Menschen müssen sich dafür einsetzen, sie besser zu machen. Und dennoch hat Musik einen heilenden Effekt. Es tut gut, gemeinsam und in Harmonie zu singen oder zu musizieren. Musik kann zum menschlichen Glück beitragen.

Interview: Jana Idris

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Kategorien: Dezember 2017