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RAYMOND LOEWY: „HÄSSLICHKEIT VERKAUFT SICH SCHLECHT“

Der französisch-amerikanische Industriedesigner Raymond Loewy ist für seine Design-Ideen weltweit bekannt. Er gilt als einer der bedeutendsten Gestalter der USA und arbeitete als Berater für mehr als 200 Unternehmen. Diese Produkte kennen Sie heute noch:

1. Coca-Cola

© Coca-Cola

1938 wird Raymond Loewy amerikanischer Staatsbürger. Zu dieser Zeit beginnt er auch für Coca-Cola zu arbeiten. Er überarbeitete zunächst die roten Zapfgeräte, „die in jeder Snack-Bar, jeder Cafeteria, jedem Drugstore auf der Theke stehen. Dann beauftragte Coca-Cola „uns mit der Neugestaltung seiner Flasche. Sie sollte noch schlanker erscheinen“, wie Loewy erklärt. Auch wenn Journalisten oftmals behaupteten, dass er die originale Coke-Flasche erfunden hätte, ist er nicht ihr Erfinder. Loewy machte sich aber auch nie die Mühe, diese falsche Zuschreibung zu korrigieren. Zudem entwarf sein Team auch neue Büchsen und Etiketten, Sechser-Packungen, Kartons usw.

2. Lucky Strike

©Lucky Strike

Im März 1940 unterhielten sich George Washington Hill, Generaldirektor der American Tobacco Company, und Raymond Loewy über ein neues Verpackungs-Design der Zigarettenmarke Lucky Strike. George Washington Hill behauptete er, könne keine bessere Verpackung entwerfen. Loewy wettete um 50.000 Dollar dagegen. Insgesamt drei Monate arbeitete sein Teamam Design. Nach dem die neue Lucky-Strike-Verpackung akzeptiert wurde, stiegen nach kurzer Zeit die Verkaufsziffern in die Höhe. Ein neues Image für Zigarettenpackungen war kreiert worden.

3. Exxon

©Exxon

1966 engagierte der juristische Berater von Jersey Standard (Esso) Industriedesigner Loewy, um einen neuen Namen sowie ein neues Logo für die Marke zu schaffen. „In weniger als einer Woche hatte ich den gewünschten Namen: ‚Exxon’.“ Aufbauend auf diesem neuen Wort fertigte Loewy insgesamt 67 Bleistiftskizzen. Blickfang war immer das doppelte X. Das „hatte ich wegen seines hohen unterschwelligen Merkwertes eingesetzt, außerdem wies es eine gewisse Ähnlichkeit mit dem doppelten S in Esso auf“, so Loewy.

4. Shell

©Shell

Von 1900 an änderte sich das Shell-Logo bis zu zehn Mal. Das Shell-Emblem hat sich von einer realistischen Pekten- oder Jakobsmuschel-Schale zu einer vereinfachten Form mit markanten Farben in rot und gelb entwickelt. Das heute noch verwendete Design wurde stark von Loewy beeinflusst. Im Jahr 1967 gab er dem Konzernlogo ein Redesign. „Dieses neue Logo wurde in verschiedenen Teilen der Welt getestet und für wirkungsvoll befunden“, sagte Loewy. Darüber hinaus wurden Uniformen, die modische Aspekte als auch praktische Gesichtspunkte berücksichtigten, entworfen. „Sie sind bequem und feuerfest, unempfindlich und leicht zu reinigen“, stellte Loewy fest. Shell akzeptierte diese Modelle und führte sie zunächst in Europa ein.

5. SPAR

©Spar

Die deutsche Übersetzung des holländischen Wortes De SPAR bedeutet „Die Tanne“. Gemäß dieser Bedeutung ist das Hauptaugenmerkmal im Logo die grüne Tanne. Im Laufe der Jahre änderte sich das Logo der Handelskette SPAR einige Male. Loewy entwarf 1968 die endgültige Form des heutigen Logos. Das Markenbild besteht aus drei Basiselementen: einem roten Band, einer grünen Tanne und dem weißen Hintergrund. Loewy gab dem Markenzeichen seine Klarheit im Ausdruck und eine zeitlose Form.

6. BP

©BP

„Mein erster Eindruck des alten BP-Logo war, das es langweilig aussah und seine Farben wenig einladend wirkten“, sagte Raymond Loewy. Er war der Meinung, dass ein „farbloses Logo für den Konsum nicht gerade förderlich“ sei. Daher sollte es etwas sein, das die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich zieht. Da die BP-Geschäftsleitung die grünen und gelben Farben und die Form des Schildes beibehalten wollte, beauftragte Loewy „das Farbforschungslabor der Dartmouth-Universität, unter möglichst verschiedenartigen Wetterbedingungen die am besten sichtbaren Grün- und Gelbpigmente ausfindig zu machen“. Das grüne Wappenschild mit den gelben Großbuchstaben „BP“ hielt sich bis 2002, danach wurde das Logo erneut verändert.

Über den Designer Raymond Loewy

© Les films du tambour de soie

Raymon Loewy wird am 5. November 1893 in Paris geboren und ist eines von drei Kindern. Seine Mutter war Grundbesitzerin und Französin, sein Vater österreichischer Journalist. Nach dem Ingenieur-Studium an der Université de Paris und der École de Laneau wandert Loewy 1919 nach Amerika aus. Im Jahr 1938 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Zunächst arbeitet er in New York als Schaufensterdekorateur sowie als Modezeichner, unter anderem für „Vogue“, „Harper’s Bazaar“ und „Vanity Fair“. 1929 eröffnet er sein eigenes Büro und macht sich als Industriedesigner selbstständig.
Raymond Loewy verstirbt am 14. Juli 1986 im Alter von 92 Jahren in Monaco. Der Allround-Designer zählt zu den bekanntesten Pionieren des amerikanischen Industriedesigns des zwanzigsten Jahrhunderts. „Schönheit durch Funktion und Vereinfachung“: Nach diesem Motto hat er ein halbes Jahrhundert lang noch heute weltbekannte Werke geschaffen.

Özge Kabukcu

Die Regisseure Jérôme de Missolz und Frédérique Bompuis gehen in ihrem Porträt der Frage nach, warum der Industriedesigner trotz allem wenig bekannt ist.

Der Designer des American Dream – Raymond Loewy

Bis 17. Dezember online verfügbar.

Kategorien: November 2017