ARTE Highlight, Cult Fiction, Kult, Kultroman, Stephen King

ARTE HIGHLIGHT: KULTROMAN-LIEBLINGE AUS DER REDAKTION

Die Web-Serie „Cult Fiction“ von David Brun-Lambert lässt 15 Kultbücher in animierten Zeichnungen lebendig werden. Dabei geht es insbesondere um Bücher, die weltweit für Furore sorgen. Die Redaktion des ARTE Magazins verrät hier ihre ganz persönlichen Kultromane.

© Getty Images

Ob Joanne K. Rowlings „Harry Potter“, Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ oder Stephen Kings „Es“, alle haben etwas gemeinsam: Die Romane werden gehypt und sind Kult. Diese oder auch andere sogenannte Kultromane müssen aber nicht nur Leseratten verschlungen haben. Es sind vor allem Bücher, die besonders herausragend geschrieben sind und weitreichende Folgen in der Gesellschaft hatten. Kultbücher gelten als unverwechselbare Werke und heben sich so von der breiten literarischen Masse ab. Ausgerichtet auf eine bestimmte Leserschaft, dienen sie außerdem bei den „Insidern“ als eine Art Erkennungsmerkmal, wie etwa: „Du liest auch Jean-Jacques Rousseau?“.

Aber welche Bücher sind für die Redaktion Kult? Hier die individuellen Lieblinge:

Philipp Berens hat gleich drei Kultromane aus seinem Bücherregal herausgesucht. Der Roman „Unterwegs“ des US-amerikanischen Schriftstellers Jack Kerouac ist eines davon. „Atemlos erzählt Jack Kerouac in seinem autobiografischen Roman von der Suche nach dem Glück, nach Freiheit, nach der großen Liebe und nach der ultimativen Party. ‚Unterwegs‘ wurde zu einem Kultbuch der Subkultur, einem Roman, der die amerikanische Literatur nachhaltig beeinflusst und Generationen von Lesern inspiriert und mitgerissen hat.“ Lesenswert fand Philipp Berens auch die Bücher „Herr Lehmann“ von Sven Regener und „Catch 22“ von Joseph Heller. Ersteres ist für ihn „lakonisch und unübertroffen humorvoll“ und Letzteres „eine Groteske der Extraklasse“.

„Einer meiner Lieblingsromane ist ‚Brennerova‘ von Wolf Haas“, so Jana Idris. „In ‚Brennerova‘ gerät Detektiv Brenner durch seine Internetsuche nach einer russischen Braut schon bald in die Machenschaften von Menschenhändlern. Nebenbei muss er noch seiner heiratswilligen Freundin entkommen. Durch die Sprachspiele des Autors ein sehr lustiges und zugleich spannend erzähltes Buch.“

Für Frank Lassak ist „Snow Crash“, der Science-Fiction-Roman von Neal Stephenson, ein absolutes Kultbuch. „In einer nicht allzu fernen Zukunft in Los Angeles stößt Hiro – Protagonist, Pizzabote, Hacker und Informant der Central Intelligence Corporation (ein kommerzieller Nachfolger der CIA) – auf ein gigantisches Komplott: Im Metaverse verbreitet sich ein Virus, das aus der Cyberwelt in die reale Welt überspringt. Wer befallen wird, stirbt oder mutiert zum Werkzeug einer dubiosen Macht. Dahinter steckt eine totalitäre Organisation, die mit pseudoreligiöser Ideologie nach der Weltherrschaft strebt. ‚Snow Crash‘ ist eine Parabel auf den unbedingten Willen zur Macht, der – ganz modern und neoliberal – dafür auch über Leichen geht. Nur wenige, wie Hiro, können der Versuchung widerstehen.“

Lisa-Marie Gaschlers Lieblingsbuch ist „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera. Der Roman des tschechischen Autors handelt von „der Liebe, dem Leben und dem Prager Frühling“. Sein Charakteristikum ist „eine melancholische ruhige Stimmung“, weswegen er „sich wirklich superleicht lesen lässt“. Besonders die Sprache des Autors gefällt ihr: „schön klar, unaufgeregt und schnörkellos“. „Das Buch ist für mich absolut zeitlos und sehr philosophisch“.

Zu guter Letzt Oliver de Weerts persönlicher Kultroman, der bereits aus dem Jahr 1929 und von einem deutschen Schriftsteller stammt. „Es ist Erich Maria Remarques Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg: ‚Im Westen nichts Neues‘. Ich habe das Buch in einem Alter gelesen, das nahe an dem der jungen Soldaten als den wichtigsten Protagonisten lag, darunter die Hauptfigur Paul Bäumer. Aus seiner Perspektive sind die Erfahrungen der jungen Kriegsteilnehmer erzählt, und das in einer so sachlichen, unemotionalen Weise, dass es manchmal schwer auszuhalten ist. Trotzdem war es vermutlich gerade diese nüchterne Sprache Remarques, die mich in den Roman hineingezogen und so sehr gefesselt hat, dass ich den Band im Laufe der Jahre mehrfach in die Hand genommen habe. Das Schicksal einer Jugend, die an der Front verheizt wurde, hat mich tief berührt – obwohl mein eigenes Leben weit weg von Schlachtfeldern und Kriegsleiden verlaufen ist. Immerhin: Im selbst ausgehobenen Schützengraben habe ich später als Bundeswehrsoldat gestanden.“

Die Webserie „Cult Fiction“ präsentiert die insgesamt 15 Kultbücher sehr locker und verständlich. In drei Minuten werden die Geschichten erzählt, die in kolorierten Comiczeichnungen illustriert sind. Dazu gehören unter anderem Werke wie „Unterwegs“, „Millennium“ und „Der Fänger im Roggen“, die bis heute eine starke Wirkung entfalten.

Özge Kabukcu

Alle Folgen online auf arte.tv/creative

Kategorien: November 2017