Dirigent, Interview, Konzert

TAKTVOLL GEFÜHRT

Hinter – oder besser vor – jedem großen Orchester steht auch ein großer Maestro. Doch was macht einen Dirigenten eigentlich aus? Ein Gespräch mit dem international gefeierten Dirigenten und Musikpädagogen Gernot Schulz.

© CICERO RODRIGUES, © PHILIPP KORBINIAN SATTLER

arte: Herr Schulz, der Dirigent Georg Solti sagte einmal: „Letztlich bleibt es ein Geheimnis, warum die einen dirigieren können und die anderen nicht.“ Stimmt das?

Gernot Schulz: Ja. Allerdings ist die Technik des Dirigierens nicht kompliziert. Das kann jeder lernen. Das Geheimnis eines guten Dirigenten liegt in seiner Persönlichkeit. Nur damit können Dirigenten ihr Orchester führen.

arte: Also ist die Technik am Ende eher zweitrangig?

Gernot Schulz: Einen Takt zu schlagen ist recht simpel, man gibt mit den Händen das Tempo vor. Was dann kommt, ist schwieriger: mit dem ganzen Körper, der Mimik und Gestik, den Sinn der Musik auszudrücken und dem Orchester zu vermitteln. Ich habe mal nach einem Konzert zwei Musiker über den Dirigenten sagen hören: „Dirigieren kann er eigentlich nicht, aber es war ein tolles Konzert.“ Die Technik ist also Mittel zum Zweck.

arte: Ist der Sinn der Musik nicht Interpretationssache?

Gernot Schulz: Viele Dirigenten sehen sich in dienender Funktion gegenüber dem Komponisten. Die Kernaufgabe ist es, sich über jeden Takt, jede Note Gedanken gemacht zu haben; Jahre und Jahrzehnte lang Partituren durchdrungen zu haben. Im Idealfall erkennt man dann die musikalische Bedeutung, die auch der Komponist im Sinn hatte. Ganz sicher sein kann man sich nicht, denn die meisten großen Komponisten sind schon tot. Und können sich nicht mehr wehren!

arte: Müssen verschiedene Orchester unterschiedlich dirigiert werden?

Gernot Schulz: Es kommt immer auf das Niveau eines Orchesters an. Ein Jugendorchester braucht mehr Führung als ein gestandenes Orchester wie die Berliner Philharmoniker. Hier liegt eine der anspruchsvollsten Aufgaben beim Dirigieren: Ich muss ein Gespür dafür entwickeln, wo Orientierung gebraucht wird, damit keine Unsicherheit entsteht, und wo nicht. Durch zu viel Orientierung enge ich die Musiker womöglich ein.

arte: Wird heute anders dirigiert als noch vor 50 Jahren?

Gernot Schulz: Oh ja, viel freier. Sergiu Celibidache oder Karl Böhm waren regelrechte Diktatoren. Das Orchester würde heute wahrscheinlich nach fünf Minuten aufstehen und den Raum verlassen.

Dies ist ein Auszug aus dem Interview. Das vollständige Gespräch lesen Sie in der November-Ausgabe des ARTE Magazins.

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Kategorien: November 2017