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IM ZEICHEN DER VENUS

ARTE gewährt intime Einblicke in die Erlebnisse junger Frauen. Ein Erotikfilm der etwas anderen Art.

Ein Film als Spiegel und Sprachrohr zugleich: Die Regisseurinnen Lea Glob (l.) und Mette Carla Albrechtsen lassen junge Frauen erotische Erlebnisse reflektieren © MADS TEGLERS

Sie wollten einen erotischen Film über die Geschichten echter Frauen machen und schufen das ergreifende Porträt „Venus“. Im März feierte der Dokumentarfilm der Däninnen Lea Glob und ­Mette ­Carla ­Albrechtsen in ihrer Heimat Kinopremiere.
Motiviert wurden beide durch eigene Frustration und Fragen bezüglich Sexualität, Körper und Weiblichkeit. Während Albrechtsen ihr jungenhaftes Aussehen verunsicherte, gelang es Glob nicht, eine eigene Perspektive auf ihre Sexualität zu bekommen. „Ich betrachtete mich immer von außen, mit einem männlichen Blick.“ Mit „Venus“ wollten sie Frauen eine Sprache geben, sich mithilfe weiblicher Spiegelbilder selbst verstehen.

Für ihren Erotikfilm veranstalteten sie in Kopenhagen ein offenes Casting. Junge Frauen sollten frei über ihre sexuellen Erlebnisse sprechen und kurze Ausschnitte dieses Castings als Basis für den Film dienen. Doch die entstandenen Gespräche berührten Albrechtsen und Glob so sehr, dass sie schließlich ihren gesamten Film aus den Interviews drehten. Die 20-jährige Nico etwa erzählt im Film offen über ihre One-Night-Stands, dann unter Tränen, wie sie in einem Moment großer Verletzlichkeit von ihrem Freund verlassen wurde. Manche sprechen von Scham und Religion, andere entkleiden sich vor der Kamera. Der Dreh war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung.
Ein Casting mit 100 Frauen war eine logistische wie auch psychische Ausnahmesituation. Es galt, den Frauen einen sicheren Raum zu bieten, Vertrauen zu schaffen. Gleichzeitig haben die persönlichen Geschichten die Filmemacherinnen emotional mitgenommen.

„Venus“ ist ein Film mit weiblichem Blick, von Frauen, aber keineswegs nur für Frauen. Zwar gab es Männer, die laut Albrechtsen irritiert waren, sich sogar betrogen fühlten. „Scheinbar hatten sie von einem erotischen Film etwas anderes erwartet, stattdessen aber pure Ehrlichkeit und Verletzlichkeit gesehen.“ Dennoch hätten viele Männer positiv reagiert, darunter Väter von Töchtern, die dankbar für diese Innenansichten waren. Glob fügt hinzu: „Dänemark wird fälschlicherweise für sexuell frei gehalten. Sobald es aber um Gefühle geht, ist Sexualität mit Scham behaftet“.Fünf Jahre haben sie für den Film gebraucht. Jahre, in denen sie gereift sind. ­Albrechtsen sagt, sie habe durch das Projekt nach anfänglicher Frustration ihren persönlichen Frieden gefunden. „‚Venus‘ ist der Film, von dem ich wünschte, ich hätte ihn gesehen, als ich 13, 14 war.“ Glob spricht von der Überwindung falscher Schönheitsideale und Komplexe, die viele Frauen umtreiben. „Der Film hat mir gezeigt, wie viel unnötigen Lärm wir um Gottes Geschenk machen, um Körper, um Sexualität und letztlich um das Leben.“

Jana Idris

Venus – Nackte Wahrheiten

ARTE Schwerpunkt Montag, 13.11., 01.05 Uhr

Bis 13. Dezember online verfügbar.

Kategorien: November 2017