ARTE Kino, Happy End, Michael Haneke

ARTE IM KINO: HAPPY END

Regisseur Michael Haneke stellt in „Happy End“ Menschen vor, die einander wenig zu sagen haben. Zwar wohnt die Familie unter einem Dach, aber so unzusammenhängend wie die Erzählweise sind auch die Mitglieder in den Flügeln des Gebäudes verteilt.

Der Haussegen hängt schief © Warner Bros. / X-Verleih

Eine authentische Momentaufnahme der europäischen Bourgeoisie vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise: Der altersschwache Georges Laurent (Jean-Louis Trintignant), Patriarch einer Unternehmerfamilie aus Calais, ist nach einem Suizidversuch an den Rollstuhl gefesselt.Seine Tochter Anne (Isabelle Huppert) führt die nach einem Unglück auf einer Baustelle angeschlagene Firma und bereitet deren Verkauf vor. Ihr Sohn Pierre (Franz Rogowski) soll sie unterstützen, scheitert aber.

Ihr Bruder Thomas (Mathieu Kassovitz), der mit seiner zweiten Frau Anaïs (Laura Verlinden) ein Kind hat, nimmt seine zwölfjährige Tochter Eve (Fantine Harduin) auf, als deren Mutter ins Hospital muss, nachdem sie sich mit Antidepressiva umbringen wollte. Die hatte das Mädchen zuvor an einem Hamster getestet – mit tragischem Ende. Thomas hofft dennoch, dass es Eve in ihrem neuen Zuhause gefällt, aber ihre Entfremdung wächst, als sie erfährt, dass er im Internet seine sadomasochistischen Neigungen mit einer Gambenspielerin auslebt.

Dass der Film in Calais spielt, einer der großen Transitstationen des Flüchtlingsstroms, erwähnt Haneke nur am Rand. Dafür seziert der österreichische Filmemacher und zweifache Gewinner der Goldenen Palme („Das Weiße Band“, „Liebe“; am 4.10. auf ARTE) umso intensiver das gestörte Familienleben im wie eine Festung anmutenden Haus – und in den Abgründen der virtuellen Welt.

Filmstart: 12. Oktober 2017
Regie: Michael Haneke

Kategorien: Oktober 2017