Designerbaby, Doku, Ethik, Präimplantationsdiagnostik

DESIGNERBABY FREI HAUS

Schon jetzt lassen sich Geschlecht und Augenfarbe von Babys im Labor manipulieren. Die Wissenschaft erlaubt immer mehr Eingriffe in die Fortpflanzung – mit teils ungewissen Risiken.

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PRO

Die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland war gut und richtig! Bis zum Jahr 2011 war die genetische Diagnostik an Präimplantationsembryonen im Deutschen Embryonenschutzgesetz nicht explizit geregelt. Erst durch die Einfügung des § 3a in das Gesetz wurde die genetische Diagnostik an Präimplantationsembryonen bei Vorliegen eines medizinischen Grundes erlaubt.

Endlich musste einem Elternpaar nicht zugemutet werden, sehenden Auges das Risiko einzugehen, ein krankes Kind zu erhalten, obwohl die medizinische Technik es erlaubte, durch eine genetische Analyse eines Präimplantationsembryos ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

Endlich musste nicht mehr die Gefahr eingegangen werden, dass dann, wenn ein ungeborenes Kind mit einer zum Tode oder schwersten Behinderungen führenden erblichen Krankheit belastet ist, eine Abtreibung vorgenommen wurde.

Endlich mussten nicht mehrere wiederholte Fehlgeburten stumm und ohne Aussicht auf die technologisch prinzipiell doch mögliche medizinische Hilfe ertragen werden.

Endlich mussten Kinderwunschpaare mit der Belastung einer erblichen Disposition für eine schwere Erkrankung des Kindes nicht mehr in das benachbarte Ausland reisen, um ein gesundes Kind zu bekommen, sondern hatten das verbriefte Recht, im eigenen Land eine Behandlung zu erhalten, die Leben schenkt und nicht zu Krankheit und Tod führt.

Alle lautstark vorgetragenen Kritikpunkte an der PID zur Untersuchung des Erbguts von Embryonen haben sich nicht verwirklicht. Und auch die Befürchtung, dass die Ablehung gegen Menschen mit Behinderung zunehmen würde, hat sich nicht bewahrheitet.

Matthias Bloechle
(Buchautor und Gynäkologe aus Berlin)

KONTRA

Die Präimplantationsdiagnostik ist nicht unproblematisch, weil mit dieser Technik eine Zeugung auf Probe stattfindet. Der Embryo wird also von vornherein mit dem Ansinnen gezeugt, dass er erst eine Prüfung zu bestehen hat, bevor man sich für sein Weiterleben entscheidet.

Noch gravierender ist dieser Aspekt des Verfügens über andere bei dem aktuellen Ansinnen, das menschliche Genom im Embryonalstadium zu manipulieren. Eine solche Technik besitzt eine enorme Eingriffstiefe, weil es ein irreversibler Eingriff ist, mit dessen Folgen alle Nachfolgegenerationen zu leben hätten.

Doch selbst wenn ein Mensch nach erfolgreich scheinendem Experiment auf die Welt käme, würde sich erst im Laufe seines Lebens oder gar des Lebens seiner Nachkommen sicher herausstellen, ob nicht doch unvorhersehbare Nebenwirkungen auftreten. Es kommt schon fast einem Roulette-Spiel gleich, mit unabsehbarem Ausgang.

Wir leben in einem Optimierungszeitalter, und diese Technik bedient genau die Visionen, die unsere gesellschaftliche Ära jeden Tag als Soll zelebriert: den perfektionierten Menschen. Aber dürfen wir den zukünftigen Menschen das Gefühl mitgeben, dass wir bestimmt haben, wie sie genetisch ausgestattet sein sollen? Ich meine nein.

Erst wenn man Experimente am Genom des Embryos verbietet, schenkt man den zukünftigen Kindern die Freiheit, unmanipuliert auf die Welt kommen zu dürfen und so sein zu dürfen, wie sie sind und nicht, wie es andere für sie bestimmt haben.

Giovanni Maio
(Professor für Medizinethik, Universität Freiburg)

ARTE Thema: Baby à la carte

Traumkinder: Filmemacher Thierry Robert fragt Experten, welche Konsequenzen es hat, wenn
Designerbabys auf Bestellung zur Welt kommen.

Dokumentarfilm

Dienstag, 10. Oktober, 20.15 Uhr

Bis 9. Dezember online verfügbar.

Kategorien: Oktober 2017