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WIR WÄHLEN

Am 24. September ist Bundestagswahl. Das ARTE Magazin hat Leserinnen und Leser gefragt, wo sie ihr Kreuz setzen und was sie politisch umtreibt.

© Eva Revolver /Sepia

Sind die Deutschen nun unpolitischer geworden? Schwindet der Glaube an die Demokratie? Umfragen und Studien lassen zumindest erkennen, dass sich die Zusammensetzung der Wähler über die letzten Jahrzehnte hinweg deutlich verändert hat. Von Stagnation kann, langfristig betrachtet, nicht die Rede sein.

So hat sich laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Zusammensetzung der Wählerschaft der Parteien in den vergangenen 15 Jahren besonders gewandelt. Die SPD etwa ist nicht mehr die klassische Arbeiterpartei. Sie wird heute hauptsächlich von Angestellten und Beamten sowie Rentnern und Pensionären gewählt. Damit gleichen sich die Wählerschaften der von SPD und CDU immer mehr an. Die Geringverdiener finden sich bei der Linken und bei der AfD wieder. Bei letzterer Partei fällt auf, dass der Wählerschaft sowohl Menschen mit geringem als auch Menschen mit überdurchschnittlich hohem Einkommen angehören.

Populistische Ansichten treffen auch in Deutschland derzeit auf fruchtbaren Boden. So fand eine Studie der Bertelsmann Stiftung heraus, dass etwa ein Drittel der Wahlberechtigten populistische Ansichten vertritt. Unter den Geringverdienern sind diese besonders weit verbreitet. Doch selten gehen die Meinungen mit der Ablehung demokratischer Institutionen einher.

Doch nun zu den Meinungen echter Menschen: Über Facebook starteten wir einen Aufruf an unsere Leser und stellten ihnen folgende Fragen: Welche Partei wählen Sie? Warum diese? Und was sind die Themen, die Sie derzeit besonders umtreiben? Lesen Sie hier ihre Antworten.

Kai Ulferts, 18, Abiturient aus Jever und Erstwähler

„Ich wähle die CDU. Mich überzeugt, dass es dem Land dank ihr so gut geht wie noch nie. Angela Merkel hält Deutschland auch in schwierigen Zeiten auf Kurs. Die USA etwa waren immer ein wichtiger Partner für uns, entwickeln sich aber nun in einigen Punkten zum Gegner. Hier ist die Besonnenheit Merkels gefragt. Ich finde ihr „Wir schaffen das“ nach wie vor gut. Was soll ein Regierungschef sonst sagen, etwa: „Wir schaffen das nicht, stehen auf verlorenem Posten“? Hier gibt es aber sicher noch viel zu tun, auch bei den scheinbaren Lücken in der Überprüfung von Asyl­bewerbern, wie der Fall Franco A. gezeigt hat.“

Matthias Pfützner, 53, Diplom-Mathematiker aus Oberursel

„Seit ich 2009 in die Piratenpartei eingetreten bin, habe ich nie wieder eine andere Partei gewählt. Meiner Meinung nach sollte der Staat die Freiheiten der Bürger schützen, nicht Angst vor ihnen haben und sie anlasslos überwachen. Ich kann mir das Desinteresse unserer Bevölkerung an den sie überwachenden Technologien nicht erklären. Wir brauchen eine neue Medienkompetenz, damit jeder Einzelne die Folgen von Überwachung abschätzen kann. Die Piratenpartei steht meiner Meinung nach für Fortschritt auf diesem Gebiet, für Bürger- und Freiheitsrechte.“

Ulrike Münch, 59, Lehrerin aus Bensheim

„Ich wähle die FDP, da ich überzeugt von der Grundeinstellung dieser Partei bin: Die Entscheidung, wie ich mein Leben führen möchte, sollte soweit wie möglich nicht von anderen und nicht vom Staat bestimmt werden. Außerdem ist es entscheidend, dass wir liberal und tolerant allen Lebensmodellen gegenüberstehen. Die Europa­frage ist etwas, was mich sehr beschäftigt. Freies Reisen, freie Kommunikation und freie politische Stellungnahme sind nicht mehr selbstverständlich. Dafür sollten wir uns starkmachen. Außerdem liegt mir das Thema Bildung am Herzen. Da gibt es leider einige Entwicklungen, die meiner Ansicht nach in die falsche Richtung laufen.“

Josef Aldenhoff, 69, pensionierter Psychiater und Hochschulprofessor aus Kiel

„Schon meine Eltern waren SPD-Anhänger und auch ich habe mein Leben lang diese Partei gewählt. Aus Tradition, aber auch, weil ich denke, dass diese Partei am besten die Interessen der ganz normalen Leute vertritt. Martin Schulz halte ich für einen guten Kandidaten. Er hat selbst Schwierigkeiten gehabt im Leben; deshalb kaufe ich ihm ab, dass er auch die Sorgen anderer versteht. Trotzdem bin ich auch oft enttäuscht von der SPD. Sie hat es versäumt, in der modernen Arbeitswelt auf der Seite derer zu sein, deren Jobs bedroht sind – zum Beispiel durch die Digitalisierung.“

Ramona Asam, 59, Landwirtin aus Weilheim in Oberbayern

„Ich bin davon überzeugt, dass die Freien Wähler auch in der Bundespolitik eine bürgernahe und unabhängige Politik machen würden. Mich ärgert die aus dem Ruder gelaufene Asylpolitik, etwa, dass die Einreise ohne Ausweisdokumente möglich ist. Außerdem treibt mich die Agrarpolitik um: Die Tierschutzrichtlinien werden missachtet, gefährliche Mittel wie Glyphosat eingesetzt. Mich sorgen außerdem die leeren Rentenkassen: Warum werden die Reichen nicht mehr zur Kasse gebeten? Die Freien Wähler treffen bei diesen Themen auf Landesebene oft ins Schwarze.“

Maha Azhari, 28, Politikstudentin aus Berlin

„Ich wähle zum wiederholten Mal die Linke. An dieser Partei begeistert mich, dass sie Kriegseinsätze und Waffenexporte zu 100 Prozent ablehnt. Aus der Opposition heraus fällt das zwar leichter, aber es gefällt mir, dass Politiker der Linken stets klare Aussagen machen und die Handlungen der Regierung scharfsinnig kritisieren. Momentan beschäftigt mich der Umgang mit autoritären Bewegungen in der Türkei und den USA. Es ist auf internationaler Ebene eine Umkehr nötig – es muss weniger Militäreinsätze geben, außerdem müssen die Themen Islamophobie und der Umgang mit dem Islam in den Medien kritisch diskutiert werden.“

Maik-Alexander Buhl, 48, Bankangestellter aus München

„Ich bin selbst seit 23 Jahren CSU-Mitglied. Aber ich bin ein erklärter Gegner ­Merkels und ihrer Flüchtlingspolitik, die ich als staatsgefährdend betrachte. Innere Sicherheit ist ein essenzielles Thema für mich und die meisten, die ich kenne. Ich bin ein Gegner des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr und die Sanktionen gegen Russland lehne ich ab. Daher werde ich bei dieser Wahl meine Stimmen aufsplitten: Die Erststimme bekommt der CSU-Direktkandidat meines Wahlkreises und die Zweitstimme geht an die AfD.“

Hanne Bauer-Deicke, 73, Architektin aus Berlin

„Seit der Gründung der Partei wähle ich die Grünen, weil sie sich konsequent für den Atom-Ausstieg und die Abrüstung von Atomwaffen einsetzen. Weitere Umwelthemen, die mich beschäftigen und beunruhigen, sind etwa Massentierhaltung und die Überdüngung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Da werden einseitige Profitinteressen bedient und Folgeschäden für Gesundheit und Artenvielfalt missachtet. Auch die Antwort der Grünen auf die aktuelle Flüchtlingspolitik kann ich nur unterstützen: Recht auf Asyl für politisch Verfolgte, Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in wirtschaftlicher Not in den Herkunftsländern.“

Karl-Heinz Peeks, 52, Zeitarbeiter aus Bremen

Ich gehe dieses Mal nicht wählen. Aber nicht, weil ich ein unpolitischer Mensch bin, im Gegenteil. Folgende Themen sind mir wichtig: die politische Partizipation der Unterschicht, soziale Gerechtigkeit und eine grundlegende Reform der Zeitarbeit. In der Vergangenheit habe ich oft SPD und zuletzt die Piratenpartei gewählt. Was mich enttäuscht, ist, dass die betroffenen Geringverdiener und Arbeitslosen nicht gefragt werden, was sie für die richtigen Lösungen halten. Festgefahrene Strukturen in den Parteien machen es fast unmöglich, aus sozial benachteiligten Stadtteilen heraus Politik aktiv zu gestalten.

ARTE Spezial

Live dabei: ARTE begleitet die Bundestagswahl mit aktuellen Nachrichtensendungen und Analysen.

ARTE Journal

Nachrichtensendung

Sonntag, 24. September, 19.10 Uhr

Kategorien: September 2017