Interview, Outside the Box, Philip Koch, Regisseur

„IN MEINER BRANCHE BRAUCHT MAN EINE DICKE HAUT“

Seiner Leidenschaft folgende, studierte der 1982 in München geborene Philip Koch Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film seiner Heimatstadt. Sein Film „Outside the Box“ ist eine schwarze Komödie über die moderne Leistungsgesellschaft – ein Thema, das ihn auch persönlich beschäftigt.

© Players

ARTE Magazin: Was hat Sie dazu bewogen, Regie zu studieren?

Philip Koch: Ich habe seit frühster Kindheit eine große Begeisterung für Film. Das Erzählen in Bildern hat mich schon immer fasziniert. Als Kind war ich eher introvertiert, sprach nicht viel und drückte mich mehr durch Malen und Zeichnen aus.

Haben Sie Vorbilder? Wo liegen Ihre Einflüsse?

Ganz wichtig für mich ist Werner Herzog. Er ist eines meiner größten Vorbilder. Aber auch David Lynch und Michael Haneke sind ganz vorne mit dabei.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Ja! Für mich ist „Aguirre, der Zorn Gottes“ (Werner Herzog, 1972) der beste Film aller Zeiten.

Schildern Sie kurz die Entstehungsgeschichte des Films „Outside the Box“.

Alles begann damit, dass ich einen Artikel über ein Team-Event der Firma Ericsson las. Dort wurden Mitarbeiter auf eine Bustour geschickt. Während dieser Tour wurden sie dann (von Schauspielern) entführt. Die Angestellten sollten sich in dieser Stresssituation „beweisen“. Natürlich eskalierte das Ganze, doch glücklicherweise blieben am Ende alle Beteiligten unverletzt und es ging glimpflich aus. Für mich war dieses Event so absurd und bezeichnend für die moderne Arbeitswelt, dass mich dieses Thema nicht mehr losließ. Nach meinem ersten Film „Picco“ (2010), der extrem hart und brutal war, wollte ich etwas machen, das thematisch am anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums angesiedelt war.

„Man braucht viel Humor, viel ironische Distanz, gute Menschenkenntnis und eine dicke Haut in der Branche.“

Was machen Sie persönlich, um sich von Leistungsdruck und Ellenbogenmentalität nicht zu sehr beeinflussen zu lassen?

Man braucht viel Humor, viel ironische Distanz, gute Menschenkenntnis und eine dicke Haut in der Branche. Ohne Courage und Standhaftigkeit ist es schwer, seinen Prinzipien treu zu sein. Sonst tappt man schnell in die Falle, andere klein zu machen, um selbst weiterzukommen und besser dazustehen.

Das Interview führte Niklas Wysk

Outside the Box

Vier Unternehmensberater freuen sich auf eine neuartige Teamoptimierung in den Alpen. Doch anstelle eine Wohlfühl-Events erwartet den karriereorientierten Frederick (Volker Bruch) und seine Kollegen (Vicky Krieps, Sascha Geršak, Stefan Konarske) ein militärischer Überlebenskampf im freien Gelände. Im Stresstest sollen sie ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen – und werden entführt. Mit dieser satirischen Milieustudie bleibt Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch seinem provokativem Stil treu.

Freitag, 15. September, 20.15 Uhr

Kategorien: Oktober 2017