STEVEN SPIELBERG ÜBER „DAS KIND IN MEINER SEELE“

Kaum ein anderer Regisseur hat seine Jugend so sehr in Filmen verarbeitet wie Steven Spielberg. Im Gespräch mit dem ARTE Magazin verriet er die Gründe.

© Julian Rentzsch

Die Gestalt, die auf der Couch des Luxushotels Le Meurice in Paris sitzt, erinnert an einen kleinen Jungen. Er hat die Hände brav auf die Knie gelegt, sitzt kerzengerade wie ein Schüler, der einem Lehrer zuhört. Von dem breitwangigen Gesicht strahlt ein gutmütiges Lächeln, als präsentierte er gleich in erwartungsvollem Stolz eine neue Arbeit. Dass er inzwischen fast 71 ist, spielt dabei keine Rolle. „Ich trage ein Kind in meiner Seele, und das wird immer prä­sent bleiben“, meint Steven Spielberg, während er einen Promotion-Termin absolviert.

Seine Passion fürs Filmemachen entwickelte der dreifache Oscargewinner bereits in jungen Jahren. „Als Junge hatte ich gewaltige Probleme: Ich konnte mich selbst nicht ertragen, kam mit meinen Klassenkameraden nicht zurecht und lebte in einer Welt der Traurigkeit. Bis ich eines Tages, da war ich zwölf, die Filmkamera meines Vaters fand und einen Western mit anderen Jungen inszenierte. Der dauerte nur wenige Minuten, aber auf einmal war ich glücklich. Und mir war klar, dass ich das immer wieder machen muss.“

Seine Melancholie rührte auch daher, dass er als Sohn orthodoxer Juden in der Schule antisemitisch gemobbt wurde. Später, mit 19, erlebte er die Scheidung seiner Eltern als traumatischen Einschnitt. Und so viele Endorphine er sich mit seiner cineastischen Gegenwelt auch verschaffte – sie war letztlich immer geprägt von Schockerfahrungen.

Oberflächlich betrachtet ist Spielberg ein Meister des Happy Ends. Sein inneres Kind führt ihn aber nicht zur Harmonie, sondern auch zu seinen Ängsten: „Ich verlasse mich immer darauf, wenn ich herausfinden will, wovor ich mich wirklich fürchte. Denn Kinder haben häufig Angst. Und das hilft mir, die Spannung in meinen Filmen zu intensivieren.“

Das gilt auch für jene Filme, mit denen er den Grundstein für seine beeindruckende Karriere legte, etwa den Fernsehfilm „Duell“ (1971). In vermeintlich erzählerischer Schlichtheit spielt der Thriller mit Ur-Ängsten, wenn ein anonymer Trucker einen Auto­fahrer in den USA über die Freeways jagt.

Rüdiger Sturm

Dies ist ein Auszug aus dem Interview. Das vollständige Gespräch lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des ARTE Magazins (ab 26. September im Handel).

ARTE Filmreihe

Hollywood-Ikone: Steven Spielberg- (* 1946, Cincinnati) lebt und arbeitet als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Los Angeles. Mit seinen Filme erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter sieben Oscars für „Schindlers Liste“, fünf für „Der Soldat James Ryan“ und vier für „E. T.“. Zehn weitere seiner Werke erhielten Oscar-Nominierungen.

Der weiße Hai, Sonntag, 22.10., 20.15 Uhr

A. I. – Künstliche Intelligenz, Montag, 23.10., 20.15 Uhr

Das Reich der Sonne, Sonntag, 29.10., 20.15 Uhr

Duell, Montag, 30.10., 20.15 Uhr

Kategorien: Oktober 2017