Placebo

DREI FRAGEN AN: PLACEBO

Seit mehr als 20 Jahren machen Placebo zusammen Musik. Wir trafen Sänger Brian Molko auf dem Deichbrand Festival. Das Konzert ist nun bei ARTE zu sehen.

Seit mehr als 20 Jahren zusammen auf der Bühne: Placebo © Getty Images

Mehr als 20 Jahre sind seit eurem ersten Album „Placebo“ (1996) vergangen. Was hält euch als Band zusammen?

Brian Molko: Ich habe einfach keine andere Fähigkeiten. Ich kann nicht Auto fahren. Ich bin nicht besonders gut mit Computern. Diese Rock-’n‘-Roll-Sache habe ich einfach mein gesamtes Erwachsenenleben lang gemacht. Das ist das, worin ich am Besten bin. Wir haben nicht an einer Formel gearbeitet in den letzten 20 Jahren, die uns bestmöglich als Band Karriere machen lässt. Sicher gibt es Aspekte unserer Musik, die charakteristisch sind für die Musik von Placebo, die einfach geblieben sind. Aber wir haben immer versucht, uns als Musiker und Liedermacher herauszufordern und zu verändern. Zu erforschen, was mit unserer Musik möglich ist.

Lange Zeit habt ihr euch dagegen gewehrt, dass eure Musik auf Streamingdiensten wie Spotify verfügbar ist. Aber zu eurem 20. Bandjubiläum habt ihr dort dann doch einige Alben zur Verfügung gestellt. Was hat euer Umdenken bewirkt?

Wir wollten es einfach versuchen und sehen, was passiert. Wir sammeln immer noch Statistiken und Informationen über die Effekte, die unsere Entscheidung hatte. Uns hat auch die Frage beschäftigt, ob du dem Publikum vorgibst, deine Musik zu konsumieren. Ist es wirklich an uns, ihnen vorzuschreiben, wie sie unsere Songs hören? Die Sache mit Technologie ist die: Wenn sie einmal da ist, kannst du ihre Erfindungen nicht rückgängig machen. Leider, muss ich manchmal dazu sagen.

Placebo-Sänger Brian Molko (l.) mit ARTE Concert Redakteur Paul Gengenbach

Ich muss immer noch betonen, dass wenn du keine Band wie wir bist, die schon lange etabliert ist, kein großer Name, dann hast du es schwer, vom Streamen zu leben. Als wir anfingen, war das anders. Du konntest von deinen CD-Verkäufen und deinen Konzerten leben, auch, wenn du noch keiner der ganz Großen warst. Heute müssen viele weniger bekannte Künstler Nebenjobs haben. Der Kapitalismus ist angeblich so ein perfektes System. Wir wissen alle, dass das nicht stimmt. Wenn der Konsument sich entscheidet, kein Geld mehr für Musik auszugeben, dann muss er in Kauf nehmen, dass seine Lieblingsband vielleicht aufhören muss. Du, lieber Konsument, triffst diese Entscheidung.

Wie schafft ihr es, eure Musik weiterzuentwickeln, aber immer diesen typischen „Placebo“-Sound beizubehalten, für den eure Fans euch lieben?

Gute Frage. Vieles erwächst einfach aus Langeweile. Langeweile mit dem, was du schon gemacht hast und Lust daran, Dinge auszuprobieren, die vielleicht nicht funktionieren. Zum Beispiel, den Kühlschrank dort an einen Verstärker anzuschließen und zu sehen, wie sich das anhört. Zu sehen, wie sich verschiedene Getränke in diesem Kühlschrank anhören. Warum nicht? Wir haben Spaß daran, Technologie so zu nutzen, dass sie für uns interessant wird.

Deichbrand Festival 2017

Das Deichbrand ist ein seit 2005 jährlich stattfindendes Rock-, Pop- und Indie-Festival bei Cuxhaven an der Nordsee. 2016 stellten rund 50.000 Besucher einen neuen Besucherrekord auf und bewiesen, dass dieses Festival zu den Top Ten der europäischen Festivallandschaft zählt. ARTE zeigt am 8. September exklusiv das Highlight-Konzert eines Headliners.

Freitag, 8. September, 23.25

Placebo live in London

Online verfügbar bis 31. Dezember

Kategorien: September 2017