münchhausen, UFA

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1942 zelebrierte die UFA ihr 25-jähriges Bestehen mit dem Großprojekt „Münchhausen“ – eine der teuersten und aufwendigsten Produktionen der Filmanstalt.

Szene aus „Münchhausen“ © Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung Wiesbaden

Als mitten im Krieg, in Nazi-Deutschland, das 25-jährige Jubiläum der UFA anstand, war für den Propagandaminister Joseph Goebbels klar: Ein filmisches Großprojekt musste her, das internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Für „Münchhausen“ von Regisseur Josef von Baky fuhr die UFA die gesamte Tricktechnik auf: der Baron auf der fliegenden Kanonenkugel, Graf Cagliostro, der sich unsichtbar macht, die Frau auf dem Mond, die ihren Kopf abnehmen kann. Dazu Stars wie Ferdinand Marian, Brigitte Horney und die neu entwickelte Agfacolor-Farbtechnik, damit sich das Publikum glänzend unterhalten fühlte.

„Dieser Film war nicht Propaganda für das Regime, sondern für die UFA selbst“, sagt Rainer Rother Leiter der Deutschen Kinemathek in Berlin. „Deswegen war er damals auch so erfolgreich.“ Es sollte eine der aufwendigsten und teuersten Produktionen der UFA werden. Schließlich spielte das Abenteuer-Epos 25 Millionen Reichsmark ein und war international anerkannt.

Kritische Anspielungen von Kästner

Kein Geringerer als Erich Kästner hatte das Drehbuch für den Film geschrieben – obwohl er Berufsverbot hatte. Darum schrieb Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger. Im Abspann des Films taucht der Drehbuchautor nicht auf.

Hier und da webte Kästner kritische Anspielungen auf das Regime ein. Etwa Graf Cagliostro, der zu Münchhausen sagt: „Wenn wir erst Kurland haben, pflücken wir Polen …“ Auch der Satz Münchhausens fällt auf, als er auf dem Mond landet, auf dem die Uhren anders ticken: „Die Zeit ist kaputt.“

Fröhliche Masken

Goebbels wählte für die Hauptrolle Hans Albers. Das passte zu seiner Linie, dass der Zuschauer Propaganda nicht merken sollte und dass manche Filme nur dazu da waren, die „gute Laune“ der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Persönlich mochte Goebbels Albers nicht, da dieser darauf bestand, Rollen in Propagandafilmen ablehnen zu dürfen. Doch der Schauspieler verkörperte den Abenteurer, die Lust am Leben.

Ähnlich wirkten UFA-Filme wie „Unter heißem Himmel“ (1936) mit Hans Albers und Lotte Lang, „Der Bettelstudent“ (1936) mit Johannes Heesters und Marika Rökk oder „Die Feuerzangenbowle“ (1944) mit Heinz Rühmann. Fröhliche Masken, die die hässliche NS-Grimasse der UFA zu verbergen wussten.

Karoline Nuckel

Den gesamten Text über „100 Jahre UFA“ lesen Sie in der Augustausgabe des ARTE Magazins.

Münchhausen

Baron Münchhausen ist ein Mann, der die Herzen der Frauen höherschlagen lässt, und ein wahrer Teufelskerl dazu – wenn man seinen abenteuerlichen Geschichten glauben darf. Mit ewiger Jugend beschenkt, genießt er im Russland des 18. Jahrhunderts die Gunst der Zarin Katharina II., reitet auf einer Kanonenkugel in eine türkische Festung und wird zum Vertrauten des Sultans. Zu guter Letzt führen seine waghalsigen Reisen ihn sogar auf den Mond.

Montag, 28. August, 20.15 Uhr

Online bis 26. November

Auftakt des ARTE Schwerpunkts „100 Jahre UFA – Ganz großes Kino“

Bis heute steht der Name UFA für deutsches Kino in guten wie in schlechten Zeiten. Die UFA hat alles produziert: visionäres Kino ebenso wie perfide Propaganda, in ihren Produktionen spiegelt sich die deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. ARTE zeigt anlässlich des 100. Gründungsjubiläums der UFA ab Ende August 2017 eine repräsentative Filmreihe, die den großen Bogen von der Stummfilmzeit bis heute schlägt.

Kategorien: August 2017