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„KUMMER, QUALEN UND NEID SIND WICHTIGE ZUTATEN FÜR KOMIK“

In der tragikomischen Serie „Helden am Herd“ lässt Kim Fupz Aakeson einen Sommelier zusammen mit einem hippen Koch ein Restaurant eröffnen. Ein Gespräch über gutes Essen, Comedy und den Unterschied zwischen Büchern und Filmen.

Der dänische Filmemacher Kim Fupz Aakeson © Kim Fupz Aakeson

In seiner tragikomischen Serie „Helden am Herd“ lässt Kim Fupz Aakeson einen talentierten Sommelier zusammen mit seinem besten Freund, einem hochbegabten, hippen Koch, ein Restaurant eröffnen. Leider hat Letzterer eine kriminelle Vergangenheit – und die holt bald den ganzen Betrieb ein. Die passenden Zutaten für sein Drehbuch fand Aakeson beim Essengehen.

ARTE Magazin: Was ist für Sie die größte Herausforderung am Filmemachen?

Kim Fupz Aakeson: Die Finanzierung. Meine Arbeit hat viel damit zu tun, dass das Filmemachen eine sehr teure Kunstform ist. Bücher sind viel günstiger. In einem Buch kannst du so viele Elefanten beschreiben, wie du willst. Im Film geht das nicht. Aber lustigerweise ist genau dieser Umstand auch inspirierend, finanzierbare Lösungen zu finden, nach einer günstigen, originellen Möglichkeit zu suchen, eine Geschichte zu erzählen. Das gibt mir eine Menge Ideen, die ich nicht gehabt hätte, würde es die Geldknappheit nicht geben.

Sie haben neben dem Drehbuchschreiben noch viele andere Talente, Sie sind Illustrator und Comiczeichner. Welche Synergieeffekte gibt es da?

Es stimmt, viele Jahre lang hatte ich viele Dinge gleichzeitig gemacht. Aber das Zeichnen habe ich aufgeben müssen. Jetzt wandere ich zwischen Büchern und Filmen hin und her. Bücher geben mir Einsamkeit, Kontrolle. Filme geben mir Gesellschaft, die Freude an den Talenten anderer Menschen und ein unvorhersehbares Ergebnis. Ich mag beides.

Wer oder was inspiriert Sie?

Ich sehe viele Filme und Serien. Das war es auch, was mich am Anfang motiviert hat, selbst Filme zu machen. Ich bekomme aber auch viel Inspiration von den Menschen, mit denen ich arbeite – Regisseure, Produzenten. Wenn alle ihre Ideen zum Besten geben, bringt mich das zu Orten und Galaxien, die ich mir allein nie erträumt hätte.

Worüber lachen Sie am lautesten?

Ich mag Comedy, die auf etwas Ernsthaftem fußt. Kummer, Qualen und Neid sind wichtige Zutaten für Komik.

Woher hatten Sie die Idee zu „Helden am Herd“?

Es fing alles mit Essen an. Ich wollte mal etwas über ein Restaurant schreiben – da hast du die Gäste, das feine Dinieren, den Wein. Und dann gehst du in die Küche und hast Feuer, Schimpfwörter, Messer und Drogen. Das ist doch ein tolles Setting für ein Drama.

Wie haben Sie die Handlung und die Figuren entwickelt?

Das geht oft Hand in Hand. Man hat eine einfache Idee für eine Handlung: Zwei alte Freunde, ein zerbrochener Traum von einem Restaurant. Dann schaue ich nach Kontrasten – der eine ist am Boden zerstört, unfähig zu interagieren. Der andere muss handeln. Der nächste Schritt ist, zu überlegen, welchen Charakteren diese Menschen begegnen sollen. Und das reflektiert und inspiriert die Handlung. Das ist ein sehr organischer Prozess.

Wer diente als Vorlage für die beiden Hauptfiguren Thomas, Sommelier mit Alkoholproblem, und Dion, ein Ex-Hipster-Koch?

Ich habe einige Dokumentarfilme über Sommeliers und Köche und ihre Leidenschaft für Wein und Essen gesehen. Es ist ein Business mit sehr vielen bunten Charakteren. Das echte Leben ist oft sehr großzügig.

Wie wichtig ist Ihnen gutes Essen? Hätten Sie selbst gerne ein eigenes Restaurant?

Ich werde nie ein eigenes Restaurant haben. Das muss einer der stressigsten Jobs sein, die es gibt. Aber ich liebe es wirklich sehr, zum Essen auszugehen. Kopenhagen ist heute eine Art Shangri-La, was Restaurants angeht.

Das Gespräch führte Carla Erdmann

ARTE Highlight: Helden am Herd

Serie

Thomas ist ein arbeitsloser Sommelier, der seit dem Tod seiner geliebten Frau Rie die Tage mit Trinken und dem erfolglosen Verkauf von Secondhand-Kühlschränken verbringt. Sein Sohn Niklas ist seit dem tödlichen Unfall der Mutter verstummt. Thomas weiß, dass er sein Leben wieder ordnen muss, auch weil die Schulpsychologin ihm mit Entziehung des Sorgerechts droht. Doch er kann sich noch nicht einmal dazu aufraffen, die Wohnung aufzuräumen. Als Thomas‘ Freund Dion aus dem Gefängnis entlassen wird und bei Vater und Sohn Unterschlupf vor dem Mafiachef „Zahnfee“ sucht, mischt er das Leben der beiden gehörig auf. Denn um seine Schulden bei Zahnfee zu begleichen, überzeugt Dion den lethargischen Thomas, das von ihnen und Rie geplante Restaurant endlich zu eröffnen.

Ab Donnerstag, 31. August, 20.15 Uhr

Online bis 30. September

Kategorien: August 2017