Deutsche Bank, Geld, Kolumne, Krise

GELD IST GEFÄHRLICH

Esther Schapira und Julia Klüssendorf geben Einblicke in die Krise der Deutschen Bank.

Julia Klüssendorf (l.) und Esther Shapira © Silke Werzinger für Arte Magazin

Was haben der Bombenanschlag auf den BVB und die Finanzkrise gemeinsam? Der mutmaßliche Täter von Dortmund soll versucht haben, durch den Anschlag einen Kurssturz des börsennotierten Bundesligavereins herbeizuführen und so seiner Kurswette zum Erfolg zu verhelfen. Habgier, der Wunsch, rasch an viel Geld zu kommen, ohne Rücksicht auf Moral, Gesetze und mögliche Folgen.

Basieren nicht auch die Auswüchse des mittlerweile berüchtigten und einst so gefeierten Investmentbankings auf kriminellen Marktmanipulationen und ethischer Verantwortungslosigkeit? Und machen wir es uns nicht zu leicht, wenn wir die Gier der Banker anprangern und gleichzeitig hoffen, dass sie unser ihnen anvertrautes Geld mehren, egal wie?

Weltweite Verflechtungen

Die Grauzone zwischen raffiniert und kriminell ist groß. Die Deutsche Bank hat für skrupellose Zockerei in den vergangenen fünf Jahren 15 Milliarden Euro Strafe zahlen müssen. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hatte 2008 die Finanzkrise ausgelöst, doch sie wäre ein harmloser Auffahrunfall im Vergleich zu einem Crash der Deutschen Bank. Sie gilt als „gefährlichste Bank der Welt“, seit der Internationale Währungsfonds sie als die Bank mit dem „höchsten systemischen Risiko“ bezeichnete. Hintergrund sind ihre weltweiten Verflechtungen, Ausdruck der globalisierten Finanzwirtschaft.

Ein Scheitern der Deutschen Bank kann sich die Welt nicht leisten. Doch wie kam es dazu? Und wie geht es weiter? Das neue Management der Deutschen Bank zeigt Reue und gelobt Besserung. Erstmals in der knapp 150 Jahre langen Geschichte des Geldhauses müssen die Banker bei der Öffentlichkeit um Vertrauen werben.

Innenansichten

Deshalb haben sie unserem Kamerateam die Türen geöffnet. Um herauszufinden, wie glaubwürdig der verkündete Wandel ist, hat das Filmteam sich wochenlang in der Konzernzentrale in Frankfurt und den Filialen in London und New York aufgehalten und alle entscheidenden Vorstände, einschließlich des Vorsitzenden John Cryan, ausführlich befragt. Denn auch hinter noch so abstrakt anmutenden Strukturen stehen am Ende Menschen, die Entscheidungen treffen. Entstanden ist ein Film, der auch Antwort auf die Frage gibt, wie gefährdet und gefährlich unser heutiges Finanzsystem ist.

Zu den Personen: Esther Schapira und Julia Klüssendorf sind Journalistinnen und preisgekrönte Filmemacherinnen. Für die Recherchen zur Krise der Deutschen Bank öffnete ihnen das ins Straucheln geratene Geldhaus exklusiv die Türen.

Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?

Gesellschaftsdoku

Im Sommer 2016 platzt über der Deutschen Bank eine Bombe. Der Internationale Währungsfonds bescheinigt ihr, die Bank mit den größten Risiken fürs Weltfinanzsystem zu sein. Das Management der Bank war erschüttert. Erstmals in ihrer Geschichte ist die traditionsreiche Deutsche Bank gezwungen, auf die Öffentlichkeit zuzugehen und um Vertrauen zu werben. Der Dokumentarfilm bietet einen exklusiven Einblick in das Innere der Deutschen Bank und Interviews mit dem Top-Management, darunter der Vorstandsvorsitzende John Cryan. Er zeigt zugleich, was eine Mega-Bank eigentlich ist und tut.

Dienstag, 20. Juni, 20.15 Uhr

Kategorien: Juni 2017