Cecilia Bartoli, Die Italienerin in Algier, Gioachino Rossini, Mezzosopranistin, Oper, Opernsängerin, Salzburger Festspiele
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„LIEBE, HASS UND EIFERSUCHT“

Ikone. Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli gilt als eine der besten und erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit. Auf ARTE singt sie den Part einer temperamentvollen Italienerin. Die perfekte Rolle – sollte man meinen.

Strahlende Sängerin: Die erfolgreiche Mezzosopranistin Cecilia Bartoli (© Alfred Steffen)

Musik ist ein fantastisches Betäubungsmittel,“ sagt Cecilia Bartoli. „Sie bringt uns in andere Dimensionen.“ Die italienische Mezzosopranistin lacht. Ihre dunklen Augen funkeln beim Sprechen. Ihr Beruf oder vielmehr ihre Berufung begeistert sie, auch nach mehr als 30 Jahren im Geschäft. Für eine Fernsehproduktion ist sie heute in Mainz. In ein paar Stunden geht ihr Zug zurück nach Zürich, wo sie lebt. Das Wichtigste in ihrem Leben? „Ich möchte nicht banal klingen, aber es ist ganz einfach: Liebe.“ Auf ARTE singt die 52-Jährige im November in Gioachino Rossinis Opera buffa „Die Italienerin in Algier“. Ein Gespräch über alte Männer und junge Frauen, zwei Streithähne in London und Antonio Vivaldis Melancholie.

ARTE Magazin: Im November zeigt ARTE Rossinis Oper „Die Italienerin in Algier“ von den Salzburger Festspielen 2018. Was ist das Besondere an dieser Inszenierung?
Cecilia Bartoli: Es gefällt mir, dass die Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier den inhaltlichen Fokus nicht nur auf die Italienerin gelegt haben, sondern auch auf die beiden männlichen Charaktere Mustafà und Taddeo. Mustafà zum Beispiel möchte seine Frau gegen eine jüngere tauschen – ein allzu bekanntes und nach wie vor gegenwärtiges Phänomen. Und mein Part, die Italienerin Isabella, trickst sie alle aus. Das macht Spaß!

ARTE Magazin: Der Opernsänger Juan Diego Flórez sagte einmal, Rossinis Musik sei wie Champagner. Stimmen Sie zu?
Cecilia Bartoli: Absolut. Seine Musik sprudelt geradezu. Und klingt ganz leicht, obwohl sie hochkomplex ist. Als Sänger braucht man eine starke Technik, um diese Leichtigkeit herüberbringen zu können. Zu seiner Zeit war Rossini übrigens sehr berühmt für seine „Opera seria“, also ernsthafte Opern, wie beispielsweise „Otello“. Wir kennen heutzutage eher die komischen Opern. Es ist mir wichtig, all die verschiedenen, mittlerweile eher unbekannteren Aspekte seines Repertoires zu zeigen. „Otello“ etwa haben wir auch schon bei den Pfingstfestspielen inszeniert.

ARTE Magazin: Als erklärte Retterin von vernachlässigtem oder sogar verlorenem Repertoire veröffentlichen Sie im November eine Kollektion von ­Vivaldi-Arien, 20 Jahre nach Ihrem ersten Vivaldi-Album. Handelt es sich wieder um unbekannte Werke?
Cecilia Bartoli: Vivaldi schrieb so viele Arien, dass es ganz unmöglich ist, sie alle zu kennen. Vor 20 Jahren kannte man allerdings hauptsächlich seine Instrumentalmusik, wie die „Vier Jahreszeiten“ oder „Stabat Mater“. Durch mein Album begannen auch andere Sänger Vivaldis Repertoire zu recherchieren und auszugraben. Und so kommen vergessene, atemberaubende Werke wieder zum Vorschein.

ARTE Magazin: Ihr Mann ist ebenfalls Opernsänger, sie leben in Zürich. Arbeiten oder kochen Sie lieber gemeinsam?
Cecilia Bartoli: Wir lachen am liebsten zusammen. Am Anfang meiner Karriere haben wir beide viel in Zürich unter Nikolaus­ Harnoncourt­ gesungen, mein Mann ist Teil des dortigen Ensembles. Damals waren wir noch kein Paar. Heute sind wir verheiratet und arbeiten ein bisschen weniger zusammen.

Interview: Lydia Evers

Das vollständige Interview lesen Sie in der November-Ausgabe des ARTE Magazins!

Die Italienerin in Algier

Oper, Sonntag, 25.12 | 23.00 Uhr
Online verfügbar bis zum 23. Januar 2019!

Kategorien: November 2018