Maren Ades, Porträt, Sandra Hüller, Schauspielerin, Toni Erdmann
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DREI TAGE NACKT

Porträt. Spätestens seit „Toni Erdmann“ gilt Schauspielerin Sandra Hüller als Star der deutschen Filmlandschaft. Dabei mag sie es eigentlich gern bescheiden und schätzt „Begrenzungen“. Eine Begegnung.

Durchbruch mit „Toni Erdmann“: Schauspielerin Sandra Hüller (© Christoph Neumann)

Elegant, mit kurzem blonden Haar, fast ganz in Schwarz gekleidet, betritt Sandra Hüller die kleine Bar im Leipziger Stadtteil Plagwitz. Sie streift ihren Rucksack ab, legt den Mantel neben sich auf die Holzbank. Viel Zeit hat sie nicht an diesem Herbst-Vormittag, an dem der Laden eigens für dieses Treffen geöffnet hat. Gegen Mittag muss sie ihre Tochter von der Schule abholen. Nicht weit von hier wohnt die Schauspielerin, die seit ihrer Rolle als kühle Karrierefrau in Maren Ades oscarnominiertem Film „Toni Erdmann“ (2016) zu den gefragtesten Film- und Theater­darstellerinnen Deutschlands gehört.

Eine Szene, die in diesem Zusammenhang wie für Hüller gemacht scheint, ist ihr berühmter Nackt­auftritt in „­Toni ­Erdmann“: Als sie in der Rolle von Unternehmensberaterin Ines zu ihrem Geburtstag einlädt und in Stress gerät, entscheidet sie kurzerhand, ihre Gäste unbekleidet zu empfangen und die anderen zu bitten, sich ebenso auszuziehen. Daraus entwickelt sich eine Komik, die in der deutschen Kinogeschichte einmalig wirkt. „Auch wenn es nicht meinen innersten Träumen entspricht, mich vor der Kamera auszuziehen, könnte ich mir diese Szene nicht anders vorstellen als nackt.“ Sandra Hüller lächelt, als sie sich an die Dreharbeiten in Bukarest erinnert: „Maren Ade hat mir geholfen zu vergessen, dass ich nackt bin. Wir haben uns darauf vorbereitet und es beim Dreh immer wieder leicht bekleidet ausprobiert. Geschämt habe ich mich nicht. Weil das auch der Szene im Weg gestanden hätte.“ Und wie lange hat es gedauert, bis die Szene im Kasten war? „Drei Tage“, antwortet Hüller. Arbeit, die sich auszahlt: Für ihre Rolle bekam sie unter anderem den Deutschen und den Europäischen Filmpreis.

Text: Karoline Nuckel

Den vollständigen Artikel finden Sie in der November-Ausgabe des ARTE Magazins!

Toni Erdmann

Tragikomödie, Montag, 12.11 | 20.15 Uhr
Online verfügbar bis zum 18. November!

Kategorien: November 2018