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KRIEGSZITTERN

Erschütternd. An der Pariser Philharmonie wird der Schrecken des Ersten Weltkriegs als moderne Oper inszeniert. „Shell Shock“ ist der Versuch einer neuen Erinnerungskultur.

(© Filip Van Roe)

Shell Shock nannten die Alliierten im Ersten Weltkrieg das, woran viele Soldaten litten: ein unkontrollierbares Zittern, das den ganzen Körper befiel und die Soldaten außer Gefecht setzte. Damals glaubte man, die Druckwellen der Explosionen hätten die Gehirne beschädigt – ein Schock, hervorgerufen durch Granaten (Shells). Heute führen Mediziner das sogenannte Kriegszittern auf die Psyche zurück – Diagnose: posttraumatische Be
lastungsstörung.
Im Erinnern an den Ersten Weltkrieg ist oft zu wenig Raum für dieses unkontrollierte Zittern. In Statuen und Ehrenmälern sind Helden in Stein gemeißelt. Nichts kann sie bewegen, ihnen etwas anhaben. Was sie durchgemacht haben, kann man sich nur schwer vorstellen.

Um aus der dauernden Wiederholung – auch im Erinnern – auszubrechen, haben Lens, Cave und Cherkaoui eine Oper geschaffen, die vor allem zum Mitfühlen anregen soll. Das Publikum soll sich den Menschen auf der Bühne nahe fühlen, ihre Menschlichkeit spüren – ganz unabhängig von Nationalität, politischer Meinung oder Religion.
Bewusst spielen diese Distinktionsmerkmale deshalb keine Rolle in „Shell Shock“. Soldat und Gefangener, Krankenschwester und Waisenkind: Sie alle sind Opfer eines Krieges, der in ihnen und ihrer Heimat mehr als nur ein Zittern hinterlassen hat.

Text: Laura Sophia Jung

Den vollständigen Artikel finden Sie in der November-Ausgabe des ARTE Magazins!

Shell Shock, A Requiem of War

Oper, Samstag, 10.11 | 22.50 Uhr
Online verfügbar bis zum 8. Mai 2019!

Kategorien: November 2018