KUNST, Maler, Malerei, Neo Rauch, Nicola Graef, Rosa Loy
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„HOCHSENSIBEL“

Hinter dem Bild. Als erste Filmemacherin durfte Nicola Graef den Maler Neo Rauch bei der Arbeit begleiten. Knapp drei Jahre erhielt sie Einblicke in das Leben des medienscheuen Genies. Ein sehr persönlicher Drehreport.

Er ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler: der Künstler Neo Rauch (© Uwe Walter)

Am Anfang stand ein Buch. Geschriebene Worte, keine Bilder. „Der Distelfink“ von Donna Tart, die Sprache und seine Figuren ließen in mir immer wieder Assoziationen zur Bildwelt von Neo Rauch aufkommen. Eine Welt, die ich nie ganz verstand, die jedoch eine enorme Kraft in sich birgt. Ich wollte mehr erfahren. Am liebsten von ihm persönlich. Für mein Filmprojekt hatte ich bereits mit seinem Galeristen, Entdecker und engen Begleiter ­Judy ­Lybke gesprochen. Der aber winkte nur ab und meinte, Neo Rauch würde keine Leute im Atelier zulassen, beim Malen ohnehin niemals. Also nahm ich das Buch, das ich so mit ihm verband, mit und besuchte die Ausstellungseröffnung in seiner Grafikstiftung in Aschersleben. Seine Frau Rosa Loy würde es gerade lesen, erzählte er mir. Vielleicht war das mein Glück. Es gab eine Verbindung. Wir verabredeten einen Besuch in seinem Atelier in der Spinnerei in Leipzig. Und ein paar Treffen später kam ich mit meinem Team, konnte bleiben und durfte seine Arbeit filmisch dokumentieren. Erstmals.

In seinem Werk geht es oft um Atmosphären, um Träume, Albträume, eine nicht fassbare Realität, kurzum: um das Menschsein an sich. Seine Bilder sind in den vergangenen Jahren narrativer und dichter geworden. Das Personal hat zugenommen, das Situative auch. Man erkennt einen Neo Rauch aber immer noch sofort. Man sieht Personen, die wie aus der Zeit gefallen wirken und Dinge tun, die oft keinen Sinn ergeben. Diese Sinnlosigkeit finde ich sehr schön, weil wir in einer durchoptimierten Zeit leben, in der Sinnlosigkeit keinen Platz mehr zu haben scheint. Mit seinen Szenarien stellt er in gewisser Weise auch unsere Zeit infrage.

Text: Nicola Graef

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des ARTE Magazins!

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter

Dokumentarfilm, Mittwoch 17.10 | 22.50 Uhr
Online verfügbar bis zum 23. Oktober!

Kategorien: Oktober 2018