1648, 30-jähriger Krieg, Dreißigjähriger Krieg, GESCHICHTE, Westfälischer Frieden, ZEITGESCHICHTE
julien.wilkens@axelspringer.de

DIE STAHLKRAFT VON MÜNSTER UND OSNABRÜCK

Westfälischer Friede. Marodierende Söldnerheere, planlose Militärs, Millionen Tote: Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Europa. Ihn zu beenden, war ein diplomatischer Kraftakt – von dem Politiker noch heute lernen können.

(© Illustration: Matteo Berton)

Da saßen sie nun, die Gesandten aus Dutzenden europäischen Staaten, Fürstentümern und Reichen. Hochmotiviert und zugleich skeptisch. Immerhin galt es, einen Krieg zu beenden, der seit 25 Jahren tobte und sechs bis sieben Millionen Opfer gefordert hatte. Kein einfaches Unterfangen, so ein Friedensschluss. Und doch gelang das Kunststück 1648 nach fünfjährigen Verhandlungen – exakt 30 Jahre nach Ausbruch der Kampfhandlungen.

Der Dreißigjährige Krieg entstand nach dem zweiten Prager Fenstersturz aus einem Verfassungskonflikt: dem Streit um die Frage, wer in Böhmen das Sagen hatte – der König oder 
die Stände. Die Frage spielte in fast allen späteren Teilkonflikten eine Rolle, auch wenn sie in Böhmen in der Schlacht am Weißen Berg zugunsten des Landesherrn entschieden wurde.

Es wäre indes zu einfach, den Konflikt allein als Religionskrieg mit konfessionellen Frontlinien zu begreifen, denn bis 1631 hielt sich das Kurfürstentum Sachsen – das Oberhaupt des Luthertums in Deutschland – aus dem Krieg heraus oder griff gar aufseiten des katholischen Kaisers in ihn ein. In Dresden sah man den Krieg nämlich in erster Linie als Verfassungskrieg.

Die in den vergangenen Jahren entstandene Lage im Nahen Osten – nicht bloß in Syrien – hat viele Ähnlichkeiten mit den Konstellationen des Dreißigjährigen Krieges: Die im sogenannten Arabischen Frühling ausgetragenen Verfassungskonflikte verbanden sich mit dem konfessionellen Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten und zeichneten politisch-militärische Bündnisse vor. Fragen von Grenzverschiebungen sind derzeit nicht aktuell, spielen im Hintergrund aber als Verschiebung von Einflusszonen eine Rolle. Zudem geht es um die Frage, wer der Hegemon des Großraumes sein soll: Iran, Saudi-Arabien oder die Türkei?

Text: Herfried Münkler

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des ARTE Magazins!

Die Eiserne Zeit – Lieben und Töten
 im Dreißigjährigen Krieg

Sechsteiliges Dokudrama, ab Samstag, 13.10 | 20.15 Uhr
Je 7 Tage in der Mediathek verfügbar!

1648 – Der lange Weg zum Frieden

Dokudrama, ab Sonntag, 21.10 | 14.00 Uhr
Online verfügbar bis zum 18. Januar!

Kategorien: Oktober 2018