Georgien, GESELLSCHAFT, Kultur, Religion, Tradition
julien.wilkens@axelspringer.de

AM RANDE EUROPAS

Osteuropa. Gesellschaftlicher Fortschritt trifft in Georgien auf religiöse Traditionen. Autorin Nino Haratischwili sprach mit dem ARTE Magazin über die vielen Facetten der Ambivalenz in ihrem Heimatland. Protokoll eines Telefonats.

(© JENS OLOF LASTEIN)

Georgien ist ein Land der Widersprüche. Aber genau die haben mein Heimatland für mich immer ausgemacht. Sie sind Herausforderung und Potenzial zugleich. Es ist schön, dass Traditionen gepflegt werden, aber die können einem auch im Weg stehen und Fortschritt verhindern. Das Land hat sich nach der Sowjetzeit rasch geöffnet und die Touristenzahlen haben sich seit dem Jahr 2000 fast verzwanzigfacht. Es sind viele verschiedene Faktoren, die momentan zu einem kleinen Georgien-Hype in Europa führen: die jahrtausendealte Kultur, die abwechslungsreiche Natur, die Kulinarik, die Clubszene. Georgien ist ein sehr westliches Land. Bestimmte Viertel der Hauptstadt Tiflis könnten genauso in Berlin sein. Doch vor allem die ländlichen Regionen sind noch sehr traditionell.

Ich besuche häufig Freunde und Familie und beobachte die Entwicklung in Georgien. Vieles hat sich zum Guten entwickelt. Vor allem die jüngere Generation lebt sehr bewusst: Sie hält besser zusammen, weshalb die Zivilgesellschaft viel stärker ist, als das noch in meiner Generation der Fall war. Wir waren stark durch die Stagnation unter Präsident Eduard Schewardnadse in den 1990ern geprägt – durch die sowjetische Haltung, dass man als Individuum eh nichts ändern könne, dass der Einzelne kein Gewicht habe. Das ist heute anders, vor allem die kreative Szene von Musikern und Künstlern floriert seit etwa fünf Jahren enorm. Als Schriftstellerin ist die Literatur für mich ein guter Indikator für den Aufschwung: Sie behandelt moderne Gesellschaftsthemen wie Feminismus, arbeitet die 1990er Jahre auf, beschreibt das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne und die Rolle der Georgier in der Welt.

Protokoll: Julian Gutberlet

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des ARTE Magazins!

Georgien erzählt: Streifzüge mit 
Nino Haratischwili

Kulturdoku, Mittwoch, 10.10 | 22.05 Uhr

Online verfügbar bis zum 7. Januar!

Kategorien: Oktober 2018