360 Grad, Äquator, ARTE 360, Schwerpunkt
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DIE EXPEDITION ZUM PUNKT NULL

Vermessung der Welt. Eine gedachte Linie, ein klimatischer Gürtel, der die Erde einmal umschließt: ARTE widmet dem Leben am Äquator einen ganzen Tag und erzählt die abenteuerliche Geschichte seiner Bestimmung.

(© Illustration: Philip Harris)

Die Wiege der Menschheit, so viel steht fest, liegt im südlichen Afrika. Die Mitte der Welt wiederum soll an der Westküste Südamerikas liegen. Genauer gesagt in der Provinz Pichincha in Ecuador. Dort steht zumindest das Denkmal La Mitad del Mundo, ein 30 Meter hoher Monolith, der eine Kugel trägt. Er markiert den Ort, an dem der französische Mathematiker und Enzyklopädist Charles Marie de La Condamine im Rahmen einer der spektakulärsten Expeditionen der Wissenschaftsgeschichte 1736 die Position des Äquators bestimmte. Von hier aus ließ sich genau berechnen, wo sich die Erdoberfläche in eine Nord- und eine Südhälfte unterteilen lässt. Zumindest ziemlich genau. Denn, wie man dank des globalen Navigationssatellitensystems GPS heute weiß, hatte sich La Condamine um 65 Meter verrechnet – nur.

Tatsächlich war es die erste internationale und interdisziplinäre Forschungsreise, die La Condamine und seine Kollegen im Jahr 1735 tief in die Anden führte, mit keinem geringeren Ziel, als die beiden dominierenden Theorien von der Form der Erde gegenüberzustellen und die einzig richtige zu finden. Da war einmal die Isaac Newtons, der zufolge die Erde an den Polen abgeflacht sei. Dort, so Newton, durchstößt die gedachte Rotationsachse der Erde die Oberfläche des Globus. Die Franzosen hingegen argumentierten, nach den Theorien von Descartes müsse die Erde elliptisch wie eine Zitrone sein.

Dabei handelte es sich um weit mehr als nur einen wissenschaftlichen Disput. Für die damaligen europäischen Supermächte ging es in dieser Frage vor allem darum, ihre Vormachtstellung zu behaupten und ihre weltweiten Herrschaftsgebiete halten und kontrollieren zu können. Denn wer Kenntnis über Größe und Form der Erde hatte, dem gehörte auch die Hoheit über die Weltmeere.
Als Charles Marie de La Condamine, Louis Godin und Pierre Bouguer die Kolonialstadt Quito 1735 erreichten, zeigten sie sich vom dort vorherrschenden fortschrittlichen Leben und von der Fruchtbarkeit des Landes tief beeindruckt.

„So weit meine Augen sehen konnten“, notierte La Condamine in seinen Notizen, „erblickte ich bestellte Länder, aufgeteilt in Felder und Prärien, Grünflächen, Dörfer und Städte, die mit Zäunen und Gärten umgeben waren: Die Silhouetten der Stadt Quito zeichneten sich in der Ferne am Ende dieses schönen Anblicks ab. Ich fühlte mich, als wäre ich in der schönsten Provinz Frankreichs gelandet.“ Ihre astronomischen Berechnungen beruhten auf den technisch ausgereiftesten Instrumenten der Zeit: ein exaktes Lineal, das die Grundlinie bestimmen sollte, Eisenquadranten mit Teleskopen, um die Winkel zwischen den Bergen zu messen, und ein Zenit-Teleskop britischen Ursprungs, um anhand der Sternpositionen die Breite zu berechnen.

Autorin: Larrie Ferreiro

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Äquator – Die Linie des Lebens

Dokureihe, Samstag, 22.09 | ab 08.35 Uhr

Online verfügbar bis zum 20. November!

Äquator 360° – Die Linie des Lebens

Virtual-Reality-Dokureihe, ab Samstag, 22.09
und in der ARTE-App „ARTE360 VR“

Schwerpunkt: Äquator

Kategorien: September 2018