1918-1939, Arte Spezial, Joel Basman, Krieg der Träume
julien.wilkens@axelspringer.de

HIN ZUM BÖSEN

Gegen das Klischee / Joel Basman spielt Rudolf Höß, den Kommandanten von Auschwitz, als jungen Mann. Es soll seine letzte Nazi-Rolle sein.

(© Sandro Baebler)

Joel Basman, 1990 in Zürich geboren, entdeckte schon als Jugendlicher die Schauspielerei für sich. Nach „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013) und „Wir sind jung. Wir sind stark.“ (2014) spielt er in „Krieg der Träume“ Rudolf Höß. Basman ist jüdischer Abstammung. Für die Rolle hat er sich intensiv mit dem Nazi-Verbrecher auseinandergesetzt.

ARTE Magazin:  Herr Basman, als Sie gefragt wurden, ob Sie Rudolf Höß spielen wollen, also den Mann, der sich selbst als „einen der größten Menschenvernichter“ des Holocaust bezeichnet, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Joel Basman: Es hat mich interessiert, denn jemand hat mich ja in die Rolle hineininterpretiert. Dennoch war ich kurz verwirrt, als ich nicht wusste, wer gemeint ist: Rudolf Heß oder Rudolf Höß. Viele verwechseln Höß mit Heß, dem Stellvertreter Hitlers. Es war mir wichtig, herauszustellen, wer Höß war, nämlich einer der wenigen Nazi-Verbrecher, denen der Prozess gemacht wurde. Sein Buch „Der Kommandant“ war für mich als Schauspieler in der Vorbereitung auf die Rolle hilfreich. Oft kann man über solche Personen nur spekulieren, aber bei Höß haben wir konkrete Aufzeichnungen.

ARTE Magazin: Sie meinen die quasi-autobiografischen Aufzeichnungen, die Höß vor seiner Hinrichtung in Polen aufgeschrieben hat. Doch mit denen muss man vorsichtig umgehen, weil der Mann ja über sich selbst schreibt.

Joel Basman: Natürlich war mir das bewusst. Aber jenseits seiner Verbrechen geht es auch um seine Kindheit. Er spricht zum Beispiel ganz intim davon, dass er keine enge Beziehung zu seinen Schwestern hatte, obwohl er sie mochte. Da muss ich keinen Historiker fragen, ob das stimmt.

ARTE Magazin: Was haben Sie denn bei der Lektüre über Höß gelernt?

Joel Basman: Er war Einzelgänger, ging am Wochenende gern mit seinem Pferd Hans allein in den Wald, er wurde mehrmals durch seinen Vater enttäuscht. Daraus schließe ich, dass er eine Vaterfigur gesucht hat, sich vielleicht daher auch viel zu früh in die Armee hineingeschmuggelt hat. Damit kann ich als Schauspieler etwas anfangen.

ARTE Magazin:Sie stellen Höß in einer Zeit dar, als er noch nicht Kommandant von Auschwitz ist. Dieses Kapitel mussten sie beim Spielen ausblenden. Hat das geholfen, ihn besser zu verstehen?

Joel Basman:Ja, ich konnte keinen Klischeenazi spielen, wie man ihn gerne hätte, denn das ist er in der Zeit noch nicht. Ich kann jede der Handlungen von Höß in der Phase, mit der ich mich befasst habe, erklären. Er war ein gefundenes Fressen für den Extremismus. Dennoch entschuldige ich damit nichts, ich erzähle die Geschichte eines jungen Mannes, der sehr schnell in eine Richtung ging, die unglaublich gefährlich wurde. Er kam nicht auf die Welt und sagte sich, ich werde Auschwitz leiten und Zyklon B einsetzen.

Interview: Oliver de Weert & Julian Gutberlet

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des ARTE Magazins!

Krieg der Träume

Dokureihe, ab Dienstag, 11.09 | 20.15 Uhr
Online verfügbar bis zum 18. September

BUCH & REGIE
Jan Peter und Frédéric Goupil
https://krieg-der-traeume.de/

Kategorien: September 2018