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DIE GESICHTER DES MOSSAD

 
Knapp 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels und der Geburt des Geheimdiensts sprechen nun Mossad-Agenten vor der Kamera. Regisseur Duki Dror gibt einen Blick hinter die Kulissen.

Entzaubert: Regisseur Duki Dror musste Tricks anwenden, um die Ex-Mossad-Agenten zum Reden zu bringen. Anfangs starr und steif, wurden manche der acht Protagonisten regelrecht emotional. (© Gebrüder Beetz Filmproduktion)

John le Carré bezeichnete Geheimdienste einmal als Unterbewusstsein einer Nation. Wie treffend und wie verführerisch zugleich, dieses Gedankenspiel mit dem Mossad zu betreiben. In der Außenwahrnehmung gilt er als besonders mächtig. Seine Agenten haben den Ruf, überlebensgroß zu sein, skrupellose Vollstrecker, die alles tun, um ihre Feinde zu bezwingen – und sogar nicht davor zurückschrecken, sich mit ehemaligen Nazi-Schergen zu verbünden. Den Grundstein für diesen Mythos legte nur wenige Jahre nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1960 die Entführung des Nazi-Kriegsverbrechers ­Adolf ­Eichmann in Buenos Aires durch den Mossad. Er wurde in Jerusalem vor ein Tribunal gestellt, das anschließende Todesurteil am 1. Juni 1962 vollstreckt.

Es folgten spektakuläre Aktionen wie Angriffe auf deutsche Raketenforscher in Ägypten, die Jagd auf Verantwortliche des Münchner Olympia-Massakers und erst 2010 die Exekution des Waffenhändlers der Hamas ­Mahmud al-­Mabhuh. Zudem galten führende Köpfe des Mossad auch als politische Strippenzieher, die die Geschicke des Landes mitlenken. Mein Ziel mit „Inside Mossad“ war es, vor dieser Kulisse die Personen hinter dem Mythos zu zeigen. Dass wir dazu überhaupt die Möglichkeit hatten, war die Folge eines Strategiewechsels unter ­Mossad-Chef ­Tamir ­Pardo, der den Geheimdienst gegenüber den Medien öffnen wollte.

An die Zusage zum Dreh war keine Bedingung geknüpft, allerdings waren die Befragten in den Interviews anfangs hart zu knacken. Es fühlte sich an wie ein Schachspiel. Vor mir saßen Meister der Täuschung, die jeden Menschen sehr schnell lesen konnten. Ich musste also meine Zurückhaltung als Journalist bewahren und gleichzeitig auch taktisch vorgehen. Am Ende hatte ich insgesamt mit acht Protagonisten gesprochen, darunter drei ehemalige Leiter des Mossad sowie die Verantwortlichen für die Entführung Eichmanns und die ehemaligen Mossad-Vertreter im Iran. Und was als Interview begann, wurde zur Reflexion und Selbstprüfung – vor laufender Kamera.

Gewinnen ist hässlich

In Israel sorgten diese Aufzeichnungen verständlicherweise für Aufregung, als sie im Fernsehen gezeigt wurden – schließlich war es das erste Mal, dass Israelis Insider-Geschichten des Mossad hörten. Sie sahen seine dunkle Seite und gleichzeitig beseitigen die Interviews viele Irrtümer. Details über Einsätze und Arten der Rekrutierung, Hintergründe etwa zum Auftrag Golda Meirs, die Attentäter von München zur Strecke zu bringen, wühlten die Gemüter auf. Für viele war es geradezu blasphemisch, die Geheimnisse des Geheimdienstes zu verraten. Stimmen wurden laut, die die Verantwortlichen im Mossad, die meinen Film zugelassen hatten, und die Interviewten öffentlich kritisierten.

Spektakulär: Mossad-Insider und ehemalige Agenten geben Einblicke in ihren strenggeheimen Alltag

Autor: Duki Dror
Den ganzen Artikel finden Sie in der April-Ausgabe des ARTE Magazins.

Inside Mossad

Dokumentarfilm | Dienstag, 24.4.| 22.15 Uhr
Online verfügbar bis 23. Mai auf arte.tv

Kategorien: April 2018