katholische Kirche, Kindesmissbrauch, Missbrauch
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DAS SYSTEM KIRCHE – TUT DIE KIRCHE GENUG GEGEN MISSBRAUCH?

Anlässlich der Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Hinter dem Altar – Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche lässt das ARTE Magazin zwei Kenner des Systems zu Wort kommen. Hans Zollner, den Vizerektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, sowie Christian Weisner, den Sprecher der Reformgruppe „Wir sind Kirche“.

„Die katholische Kirche ist auf einem guten Weg“

Papst Franziskus ist immer er selbst. Echt, ohne Allüren und ohne Scheu. Das zeigt sich besonders, wenn er mit an Leib und Seele verwundeten Menschen in Berührung kommt. Das konnte ich selbst erfahren, als sich der Papst mit sechs Missbrauchsopfern zu Hause traf. Ich kann bezeugen, dass dies das Wichtigste ist, was er selbst Betroffenen zu geben hatte. Denn aus dieser Begegnung ist für diese zutiefst Verwundeten viel Heilsames erwachsen. Als die Päpstliche Kinderschutzkommission dem Papst vom Leid und den Hoffnungen der Überlebenden von sexueller Gewalt berichtete, war er sichtlich betroffen. Bei dieser Gelegenheit sagte er bemerkenswerte Dinge: dass die Kirche wie auch er selbst zu langsam im Begreifen dessen waren, welch große Verbrechen von Vertretern der Kirche begangen wurden; dass er niemals einen Kinderschänder in einer Pfarrei oder Schule dulden will; dass die Kirche neben dem körperlichen und seelischen Leid das spirituelle Trauma ernst nehmen müsse, das Menschen von Priestern zugefügt wurde; dass die Kommission sich seiner Unterstützung sicher sein könne. Die katholische Kirche ist insofern auf einem guten Weg, der aber noch sehr lang sein wird.

Autor Hans Zollner, Vizerektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, Leiter des Centre for Child Protection

„Einiges wurde in der katholischen Kirche getan, aber nicht genug“

Einiges wurde in der katholischen Kirche schon getan, um systematischen Missbrauch durch Geistliche aufzuklären. Aber, wie aktuelle Fälle zeigen: immer noch nicht genug! Einige Opfer haben sich das Leben genommen. Für Zehntausende Betroffene, die sich auch „Überlebende“ nennen, bedeutet der Missbrauch oft lebenslanges Leid. Sexualisierte Gewalt und ihre Vertuschung sind Verbrechen und, wie die Skandale um ­Harvey ­Weinstein, ­Kevin ­Spacey, ­James ­Levine zeigen, auch anderswo ein systemisches Problem. Gerade deshalb bleibt noch sehr viel zu tun. Leitlinien zum Umgang mit Fällen des sexuellen Missbrauchs hat die Deutsche Bischofskonferenz erstmals im September 2002 erlassen und dann mehrfach überarbeitet. Doch jedem der 27 deutschen Bischöfe steht es bislang frei, wie strikt er diese anwendet. Es folgten die Einrichtung von Missbrauchsbeauftragten und Präventionsstellen in den Diözesen, die Zuerkennung „materieller Anerkennung des Leids“ in beschränktem Maße, die Mitwirkung am Runden Tisch Sexueller Kindesmissbrauch, die Beauftragung umfangreicher Forschungen und einiges mehr. Aber wie auch kirchliche Insider konstatieren: In großen Teilen der weltweiten Kirche fehlt es noch immer an der Bereitschaft, sich den System- und Strukturfragen sexualisierter Gewalt innerhalb der Hierarchien zu stellen.

Autor Christian Weisner, Sprecher der Reformgruppe „KirchenVolksBewegung: Wir sind Kirche“

Die ganze Debatte finden Sie in der Februar-Ausgabe des ARTE Magazins!

Hinter dem Altar – Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche

Dokumentarfilm, Dienstag, 20. Februar, 20.15 Uhr
Online verfügbar bis zum 22. März. Mehr auf arte.tv

Kategorien: Februar 2018