Hyperloop, Mobilität, Oliver de Weert
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HÖHER, SCHNELLER, GRÜNER

Rückblick aus dem Hyperloop bei Schallgeschwindigkeit: Als wir noch Autos besaßen und Kohlenstoff verbrannten. Eine utopische Reise ins Jahr 2035.

© Arte Magazin Grafik, © Vahana (1), © PriestmanGoode (1), © Alamy (1)

Von Berlin nach Paris in einer Stunde. Ein Geschäftstermin an der Seine, der sich inklusive Hin- und Rückweg an einem Vormittag erledigen lässt, das wäre vor nicht allzu langer Zeit selbst mit dem Flugzeug kaum denkbar gewesen. Jetzt aber, im Jahr 2035, sitzt Robotik-Experte Chris im Hyperloop zwischen den Metropolen. Höchstgeschwindigkeit: 1.200 Stundenkilometer, annähernd so schnell wie der Schall. Und emissionsfrei, dank regenerativer Energieversorgung. Eine überdimensionale Rohrpost voller Superlative.

In überraschend kurzer Zeit hat sich die neue Technologie seit Ende der 2020er Jahre auch in Europa durchgesetzt. Dabei ist es noch keine 15 Jahre her, dass ein Firmenkonsortium die erste Strecke in Kalifornien in Betrieb nahm. Tesla-Gründer Elon Musk und Virgin-Chef Richard Branson hatten sich dafür 2017 im Projekt „Hyperloop One“ zusammengetan und auf spektakuläre Weise sowohl den technologischen Durchbruch als auch die Finanzierung erreicht.

Landschaften in der Vakuumröhre
Im Inneren der Kabine herrscht wie im Flugzeug ein konstanter Druck. Per Augmented Reality – animierte Projektionen, vergleichbar etwa mit dem Erlebnis in einem Flugsimulator – werden die Passagiere durch bewaldete Mittelgebirgslandschaften und vorbei an kleinen Städten geführt. Unterbrochen wird dieser virtuelle Trip durch regelmäßige Werbeeinblendungen. Die gehören, ebenso wie die Nutzung der Fahrgastdaten, zum Geschäftsmodell des Hyperloop und sollen die Ticketkosten niedriger halten. Auf diese Weise zum „gläsernen Passagier“ zu werden, ist angesichts einer Vielzahl Big-Data-gestützter Dienste längst kein Grund mehr für Aufregung. Daten sind ein selbstverständlicher Bestandteil der Vergütung von Leistungen.

Autonomes Sharing
Chris kann sich gut an die Zeiten chronisch verstopfter Innenstädte erinnern, als private Autos und Lastwagen mit Verbrennungsmotoren die Umwelt massiv belasteten. Jeder steuerte selbst, Unfälle mit Verletzten und sogar Toten waren an der Tagesordnung, bis die autonom rollenden Sharing-Modelle und modernen öffentlichen Verkehrssysteme nach und nach das alte Transportwesen ersetzten.

Als Chris jung war, galten private Autos als Statussymbole. Verblasste Farbfotos in Familienalben zeigen ihn und seinen Bruder, wie sie ihr Taschengeld mit dem Waschen des elterlichen Wagens aufbessern. Noch ältere Aufnahmen dokumentieren schwarzweiß den Stolz der Autobesitzer in den 1950er und 1960er Jahren. Großeltern, Onkel und Tanten posieren neben chromblitzenden Karossen vor der Kulisse von Alpenstraßen. Die Nachkriegsjahrzehnte waren das Zeitalter der Massenmotorisierung und sorgten für eine neue Mobilitätswelle – auf längere Sicht allerdings um einen hohen Preis.

Autor: Oliver De Weert

Den ganzen Artikel finden Sie in der Februar-Ausgabe des ARTE Magazins!

Die Mobilität von Morgen

Wissenschaftsdoku, 10.Februar 21.50 Uhr
Online verfügbar bis zum 12. März

 

Kategorien: Februar 2018