Fatou M. Diatta, Sister Fa
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FONKO

Sister Fa: Eine Senegalesin rappt gegen Unrecht und Genitalverstümmelung

© Piranha Music Press/Michael Mann

Die derzeitige musikalische Revolution macht auch vor dem afrikanischen Kontinent nicht halt. ARTE geht den Musikrebellen Afrikas nach. Eine dieser starken afrikanischen Stimmen ist die senegalesische Rapperin und Aktivistin Fatou Mandiang Diatta alias Sister Fa. Das ARTE Magazin hat mit ihr gesprochen.

arte: Ihre Songs handeln oft von Genitalverstümmelung und Zwangsehe. Warum sind diese Themen so wichtig für Sie
Fatou M. Diatta: Genitalverstümmelung bei Mädchen ist ein Thema, das mir sehr nah geht. Als ich ein Kind war, noch vor der Einschulung, haben Frauen in Begleitung meiner Mutter diese nicht wiedergutzumachende Praxis an mir angewandt. Seitdem mir klar geworden ist, was sie mit meinem Körper gemacht haben, fühle ich mich nicht mehr ganz als Frau. Das Organ, das sie mir abgeschnitten haben, war Teil meines Körpers.

arte: Im Senegal werden Frauenrechte oft missachtet. Ist es als politisch aktive Frau schwierig, Gehör zu finden?
Fatou M. Diatta: Es stimmt, es ist dort nicht einfach über Menschenrechte zu sprechen, denn die Gesellschaft befindet sich in einer Art Steillage. Aktivisten werden nicht gerade unterstützt. Kinderrechte werden missachtet, Frauen nehmen keine Rolle ein, in der sie geschätzt werden. Als Künstlerin aber habe ich die Möglichkeit, die neue Generation zu erreichen.

arte: Glauben Sie, dass Musik in der Lage ist, auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen und diese zu überwinden?
Fatou M. Diatta: Kultur und Musik spielen in unserer Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle. Und so ist ein großes Tabuthema wie Genitalverstümmelung mittels eines Songs, eines Kunstwerks oder Theaterstücks für die jungen Menschen leichter zugänglich. Musik kann helfen, die Mentalität von Menschen zu ändern. Wir haben das schon beim Kampf gegen Aids erlebt, bei den Präsidentschaftswahlen und bei zivilem Engagement.

arte: Benutzen Sie ihre Musik als Sprachrohr für ihr politisches Engagement oder kam ihr Engagement erst im Laufe ihrer Musikkarriere auf?
Fatou M. Diatta: Mein Engagement hat sich parallel zu Musik entwickelt. Ich hatte einfach viel zu sagen. In Casamance, im Südwesten Senegals, gibt es zum Beispiel seit 30 Jahren Aufstände. Frauen werden auf den Feldern, auf denen sie den ganzen Tag arbeiten, um ihre Kinder zu ernähren, vergewaltigt. Diese Ereignisse haben mich noch vor der Beschneidung geprägt. Ich habe schon immer meine Musik eingesetzt, um Ungerechtigkeit anzuprangern.

arte: Was fasziniert Sie an Hip-Hop?
Fatou M. Diatta: Für mich ist Hip-Hop von Natur aus eine rebellische Musik, die dafür da ist, Ungerechtigkeit aufzuzeigen. Im Senegal spielt die die sogenannte Mbalax-Musik eine große Rolle. Diese glorifiziert einflussreiche Familien des Landes und Reiche. Nur Hip-Hop wirkt dem entgegen und wird anderen Erwartungen an Musik gerecht.

Interview: Karoline Nuckel

Fonko

Dokumentation Freitag, 2.2., 21.45 Uhr
Online verfügbar bis zum 19. März

Kategorien: Februar 2018