Alfred Hitchcock, Marli Renfro, Psycho, Robert Graysmith
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ACHT GEHEIMNISSE VON „PSYCHO“

Janet Leigh duscht in Alfred Hitchcocks „Psycho“ und wird Opfer eines Mörders – eine der berühmtesten Momente des Kinos. Alexandre O. Philippe nutzt die gerade einmal dreiminütige Szene zu einem Close Reading der filmischen Art und macht daraus den Dokumentarfilm „78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho“.

ARTE © Shamley Productions

78 Mal musste Marli Renfro, das Body Double für Janet Leigh, nackt und patschnass vor laufender Kamera sterben; eine Woche dauerte es, bis die Szene endlich im Kasten war. Der Mord an der Büroangestellten Marion Crane, die in einem Motel absteigt und Opfer des schizophrenen Muttersöhnchens Norman Bates (Anthony Perkins) wird, besteht aus 52 Schnitten, mühsam im Schneideraum zusammengefügt. Die Schlüsselszene des Thriller-Genres seziert Alexandre O. Phillipe in seinem Dokumentarfilm „78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho“. Darin kommen rund 40 Beteiligte von einst zu Wort: Kameraleute, Ausstatter, Cutter, Tonspezialisten, Maskenbildner und auch Renfro selbst. Diese Geheimnisse (und noch einige mehr) verrät der Film:

  1. Nach der Duschszene war die Protagonistin Marion Crane und damit der Star des Films tot. Um die Schockwirkung des Films zu verstärken kaufte Hitchcock alle Exemplare der Romanvorlage auf, damit niemand wissen konnte, was im Film passiert. Außerdem musste seine Crew schwören, nichts von der Handlung zu verraten.
  2. Nachdem die Vorstellung begonnen hatte, durfte niemand mehr ins Kino – damit niemand auf den Auftritt des bereits toten Stars Janet Leigh wartete.
  3. Das Geräusch des Messers wurde mit einer Melone erzeugt. Hitchcock war mit dem Sound erst zufrieden, als sich die Tonleute durch mindestens zwei Dutzend verschiedene Sorten gestochen hatten. Am Ende wurde es eine Honigmelone.
  4. Hitchcock selbst führte während der Aufnahmen das Messer. Dabei berührte die Klinge den Körper nur ganz leicht. Gedreht wurde die Einstellung rückwärts: Die Klinge wurde vom Bauch zurückgezogen. Im Scheideraum wurden die Sequenzen dann umgekehrt eingefügt.
  5. Für das Blut wurde Schokosirup verwendet.
  6. Marli Renfro, das Body Double von Janet Leigh, musste sich sowohl vor Alfred Hitchcock als auch vor der Hauptdarstellerin ausziehen. Leigh wollte sicherstellen, dass Renfros Körper dem ihren gleichte.
  7. Renfro verdiente mit ihrem siebentägigen körperlichen Einsatz 500 Dollar.
  8. Um das Leben von (und einen angeblichen Tod) von Marli Renfro ranken sich unzählige Legenden, doch in der Dokumentation „78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho“ ist sie quicklebendig.

Beim Text handelt es sich um einen teilweisen Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des ARTE Magazins (ab 26. September im Handel).

Frank Lassak, Helena Düll

ARTE Highlight: 78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho

Cineastische Analyse: Filmemacher Alexandre O. Phillipe hat die Entstehung der „Psycho“-Mordszene bis ins kleinste Detail untersucht.

Dokumentarfilm

Sonntag, 22. Oktober, 22.15 Uhr

Bis 21. November online verfügbar.

Kategorien: Oktober 2017