Sting
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STING: „ICH HABE SO VIEL ENERGIE WIE MIT 20“

Sting zählt zu den ganz Großen, die Großbritannien zu bieten hat. Zum diesjährigen Summer- of Fish ’n’ Chips zeigt ARTE ein Porträt und ein Konzert des berühmten Musikers. Ein Besuch backstage. 

„Wir müssen die Zeit nutzen“, sagt Sänger Sting © Franck Ockenfels

„Hello, I’m Sting.“ In T-Shirt und schwarzer, ausgewaschener Jeans kommt der Sänger in den kleinen, stickigen Raum hinter der Bühne. In zwei Stunden gibt er ein Konzert am Elbufer in Dresden, vor 6.000 Fans. Es riecht nach Bratwurst und Regen. „Kann ich das Fenster zumachen?“, fragt er, als draußen die Glocken der Frauenkirche zu läuten beginnen. Er sei da empfindlich. Und auch den Kühlschrank in der Ecke steckt er aus, weil ihn das Brummen stört. Im Oktober wird der Ex-Sänger von The Police 66 Jahre alt.

ARTE Magazin: Sie sind jetzt seit 40 Jahren im Musikbusiness …

Sting: Unmöglich.

… wie geht es Ihnen?

Sie haben natürlich recht, es sind schon vier Jahrzehnte. Aber ich fühle mich wie früher. Ich gehe mit der gleichen Begeisterung auf die Bühne wie mit 20. Ich habe so viel Energie wie damals. Die Musik treibt mich an. Durchs ständige Reisen bin ich süchtig nach Impulsen von außen geworden. Ich bin nicht gerne länger als zwei Tage an einem Ort.

„Es ging ums Überleben“

Sie hatten Ihren Durchbruch mit The Police im Großbritannien der 1970er Jahre. War es schwierig, sich gegen die damalige Punk-Bewegung zu behaupten?

Diese Gedanken habe ich mir nie gemacht. Ich habe in der Zeit versucht, meine Familie zu ernähren und die Miete zu bezahlen. Oft hatte ich kein Geld, schlief bei Freunden auf dem Boden. Es ging ums Überleben. Mein Sohn Joe war damals ein Baby. Heute ist er 40 Jahre alt und gerade mit mir auf Tour.

Sie bewegten sich damals schon zwischen Ska, Reggae und Rock – waren Sie nie der rebellische Punk-Typ?

Nein, im Gegenteil. Vor dem Erfolg mit The Police war ich Lehrer und kümmerte mich um meine Altersvorsorge. Ich bin froh, dass ich dieses „echte“ Leben hatte, bevor ich berühmt wurde, weil ich es so mehr zu schätzen weiß. Zum Glück bin ich kein Lehrer geblieben, die verdienen ja nichts! Dabei machen sie einen der wichtigsten Jobs in der Gesellschaft. Ich habe damals viel gelernt.

„Noch bin ich nicht bereit, zu sterben“

Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Was Sie eigentlich wissen wollen, ist, ob ich Angst vor dem Tod habe. Noch bin ich jedenfalls nicht bereit zu sterben. Meine Eltern sind sehr jung gestorben; meine Mutter war Anfang 50, mein Vater knapp 60. Das Thema beschäftigt mich also. Aber Sterblichkeit macht mir keine Angst. Zu wissen, dass wir alle nur eine begrenzte Zeit haben, macht das Leben reicher. Wir müssen die Zeit nutzen. Und ich glaube, das tue ich.

Das Interview führte Lydia Evers

Das ganze Interview lesen Sie in der August-Ausgabe des ARTE Magazins.

Sting – Beyond the Police

Dokumentarfilm

Sting – Weltstar der Musik: Der Film erzählt von den verschiedenen Stationen seines Lebens, von seiner tristen Jugend im Industriemilieu des englischen Nordwestens, vom überwältigenden Erfolg mit The Police sowie seiner bis heute andauernde Karriere als Solokünstler. Im Zentrum des Porträts steht ein aktuelles Interview mit Sting, in dem er ausführlich über seine Musik, seine Motive, seine Arbeit und seine Zukunft spricht. Darüber hinaus sind viele seiner Police- und Solo-Hits zu hören und zu sehen.

Freitag, 18. August, 21.55 Uhr

Sting – Konzert im Pariser Olympia

Konzert

Highlights der Rockgeschichte: Am 12. und 13. April 2017 war Sting zu Gast im Pariser Olympia. Sechs Monate nach Erscheinen seines zwölften Soloalbums „57th & 9th“ interpretierte der Ex-Police-Sänger die größten Hits seiner einstigen Band von „Roxanne“ bis zu „Every Breath You Take“, präsentierte eigene Songs wie „Englishman In New York“ und zusammen mit seinem Sohn Joe eine Coverversion von „Ashes to Ashes“ in Gedenken an David Bowie.

Freitag, 18. August, 22.55 Uhr

Online bis 14. Februar 2018

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