john lennon, New York, yoko ono
julien.wilkens@axelspringer.de

„IMAGINE“ – JOHN LENNONS LETZTES KONZERT

Im August 1972 trat John Lennon im New Yorker Madison Square Garden auf. Die Umstände seines legendären Live-Konzerts reflektieren das politische Engagement des Künstlers und seiner Frau Yoko Ono.

John Lennon wurde nur 40 Jahre alt © Eagle Rock Entertainment

Dem längst legendären Konzert John Lennons im New Yorker Madison Square Garden im August 1972 geht eine Geschichte voraus. Sie reflektiert die Stimmung in den USA zu Beginn der 1970er Jahre, die gesellschaftliche Umbruchsituation, in der sich das Land befand. Und sie ist ein Zeugnis des politischen Engagements Lennons und seiner Frau Yoko Ono, das maßgeblich ihr musikalisches Schaffen zu der Zeit beeinflusste.

1971 zogen John Lennon und Yoko Ono ins New Yorker Greenwich Village. Damals war das Viertel ein Schmelztiegel für Künstler und Studenten, schnell knüpften Ono und Lennon Kontakte und wurden Teil der künstlerischen und politischen Szene. Gemeinsam mit Freunden protestierten sie öffentlich gegen den Vietnamkrieg. Das FBI fürchtete, durch die Berühmtheit Lennons könnte der Protest immer größere Wellen schlagen und an der Macht des Präsidenten Richard Nixon rütteln. Ono und Lennon wurden fortan auf Schritt und Tritt verfolgt und beobachtet. Fieberhaft suchte das FBI nach einem Grund, den Briten Lennon des Landes verweisen zu können.

Eine Fernsehreportage ebnete dem Konzert den Weg

Unter diesen schwierigen, politisch aufgeladenen Umständen entstand das gemeinsame Album von John Lennon und Yoko Ono, „Some Time in New York“. Ono und Lennon verarbeiten darin die Erfahrungen, vom Staat ungerecht behandelt zu werden. Die Songs darauf gehören zu den politischsten, die Lennon jemals produzierte.

Kurz nachdem das Album im Frühjahr 1972 erschienen war, sah Lennon im Fernsehen eine Reportage über den sexuellen Missbrauch von Kindern und die elenden Zustände an der Willbrook State School. Er nahm Kontakt zu dem Autor der Reportage, Geraldo Rivera, auf. Gemeinsam überlegten Rivera und Lennon, ein Benefizkonzert für die Kinder der Schule zu veranstalten. Die Idee zum Live-Auftritt im Madison Square Garden war geboren, der dann kurzfristig organisiert wurde.

Für den guten Zweck

Was viele nicht wissen: Lennons Konzert war Teil des „One to One“-Festivals, bei dem auch Roberta Flack, Sha Na Na und Stevie Wonder auftraten, um den guten Zweck zu unterstützen. Die Tickets für das Event kosteten zwischen fünf und zehn Dollar. Lennon selbst kaufte im Vorfeld 60.000 Karten und gab sie umsonst an Menschen, die sich in Hilfsorganisationen und sozialen Einrichtungen engagierten.

Wegen der großen Nachfrage spielte John Lennon am 30. August zwei Konzerte, eins am Nachmittag und eins am Abend. Das Abendkonzert wurde im Fernsehen übertragen, während die Aufnahmen des Nachmittagskonzerts später für das Live-Album benutzt wurden, das 1986 erschien. Die Auftritte gingen in die Geschichte ein: Sie waren Lennons einzige eigene Konzerte seit der letzten Beatles-Tour im Jahr 1966 und vor seinem tragischen Tod im Jahr 1980 – und das letzte Mal, dass er gemeinsam mit seiner Frau auf der Bühne stand.

Carla Baum

John Lennon: Live in New York City

Musikdoku

Am 30. August 1972 spielte John Lennon im Madison Square Garden in New York. Der Auftritt wurde sein letztes und einziges großes US-Konzert zwischen der Beatles-Tour 1966 und seinem tragischen Tod im Jahr 1980. Zusammen mit seiner Frau Yoko Ono und ihrer Plastic Ono Elephant’s Memory Band präsentierte er Klassiker aus seiner Feder, darunter „Imagine”, „Instant Karma” und „Power to the People.”

Freitag, 11. August, 00.25 Uhr

Online bis 19. November

Das ARTE Magazin – jetzt abonnieren!

Kategorien: August 2017