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BURGER AUS KÄFERN, SALAT AUS GRILLEN

Wie werden alle satt, wenn bald mehr als zehn Milliarden Menschen die Erde bevölkern? Experten meinen: Insekten sind die Proteinquelle der Zukunft.

Schmeckt nussig und ist gesund: der Maikäfer. © Marie Bauer (Illustration), Getty Images

Proteine sind wichtig. Auf der Nahrungspyramide, mit der Kindern gesunde Ernährung beigebracht wird, lautet die Empfehlung: mindestens zweimal täglich Milchprodukte, zwei- bis dreimal die Woche Eier, Fisch und Fleisch. Was würden die Kinder wohl sagen, wenn im Mittelteil der Pyramide statt Fisch und Fleisch Heuschrecken, Mehlwürmer und Käfer zu sehen wären?

Heuschrecken und Mehlwürmer bestehen zu etwa 20 Prozent aus Eiweiß. Damit liegen sie mit dem Proteinwert von Rinderhackfleisch in etwa gleich auf. Doch Insekten enthalten weitaus weniger gesättigte Fettsäuren als Rindfleisch und fast doppelt so viel des für Blutbildung und Nerven wichtigen Vitamins B 12, außerdem zusätzliche Nährstoffe wie Eisen und Zink. 

Unausgeschöpftes Potenzial für die Ernährung

Rund zwei Milliarden Menschen weltweit machen sich diese Eigenschaften bereits zunutze. In Asien und Afrika, auch in Lateinamerika gehören Insekten in vielen Gegenden zum Speiseplan, wie ein Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Jahr 2013 beschrieb. 

Nordamerika, Europa und Australien zeigen sich da zurückhaltender. Hier ruft der Gedanke, Insekten zu essen, bei den meisten Menschen Ekel hervor. Dennoch – oder deshalb – steckt laut der FAO in Insekten ein noch weitgehend unausgeschöpftes Potenzial für die menschliche und die tierische Ernährung der Zukunft. 

Arnold van Huis von der Universität Wageningen beschäftigt sich schon seit mehr als 20 Jahren mit Insekten als Lebensmittel. Mitte der 1990er Jahre nutzte der Professor für Tropische Entomologie (Insektenkunde) ein Sabbatjahr dazu, 400 Menschen aus 27 afrikanischen Ländern zu ihrem Insektenkonsum zu befragen. Sein Ergebnis: „Insektenessen ist nicht nur gesund, sondern hat gegenüber dem Fleischkonsum auch große Vorteile für die Umwelt.“

Insekten in bekannten Produkten

Jedoch, so van Huis, brauche es kulturelle Anpassungen, um Insekten auch in Europa als Lebensmittel populärer zu machen. Denn auf die meisten Menschen aus westlichen Industrienationen wirkt der Verzehr ganzer Tiere abschreckend. „In Europa ganze Heuschrecken, Käfer oder Mehlwürmer im Supermarkt zu verkaufen, ist keine gute Strategie. Das finden die meisten Menschen eklig“, sagt er. „Die Insekten müssen in Produkten verarbeitet sein, die man hier kennt und isst.“ Schon jetzt gibt es in den Niederlanden und in Belgien etwa Burger aus Insektenmehl in Restaurants und sogar in einigen Geschäften zu kaufen. 

Auch in Deutschland ist der Insekten-Foodtrend angekommen, wenn er auch vom Mainstream noch weit entfernt ist. Start-ups wie das Münchner „Wicked Cricket“ wollen einem großen Publikum Insekten schmackhaft machen und damit auch zu bewusstem Konsum anregen. Auf der Website von „Wicked Cricket“ werden Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit angesprochen. Im Shop gibt es mit Rosa Pfeffer, Fleur de Sel oder Wildkräutern gewürzte Grillen. Der Look der Insektenboxen erinnert an To-go-Salate aus hippen Cafés.

Van Huis meint, den meisten Insektenprodukten mangele es derzeit noch an Geschmack. Doch das sei mit der richtigen Würzung hinzukriegen: „Schließlich schmeckt das meiste Fleisch auch nur, wenn es richtig gewürzt ist.“ Er selbst isst übrigens am liebsten Heuschrecken, angebraten mit Zwiebeln, Salz und Tomaten.

Carla Baum

Den vollständigen Text lesen Sie im aktuellen ARTE Magazin.

ARTE Highlight: Insekten à la carte

Der kanadische Ernährungsforscher Josh Evans hat sich auf einen Food-Roadtrip durch fünf Kontinente begeben, um Insekten als essbare Delikatessen zu finden, zu erforschen – und vor allem zu probieren. Gemeinsam mit dem Spitzenkoch Ben Reade taucht er in dieser Folge in Australien in die Welt des Bush Tucker ein, wie die Aborigines alles nennen, was sich im Outback essen lässt.

Ab Montag, 7. August, 17.40 Uhr

Kategorien: August 2017