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PAZIFISTIN UND GEFANGENE DES KRIEGES

Yaël Abecassis ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Israels. In ihrer Arbeit schreckt sie vor dem sensiblen Thema des Nahostkonflikts nicht zurück.

Die israelische Schauspielerin Yael Abecassis © Roberto Frankenberg/Modds

Der Wechsel vom Modelberuf in die Schauspielerei ist nicht immer einfach. Besonders junge Frauen müssen Filmemachern oft erst beweisen, dass sie mehr können als „nur“ gut auszusehen. Als Yaël Abecassis sich als junge Frau das erste Mal vor eine Film- statt eine Fotokamera stellte, hatte sie mehrere Jahre im Mode- und Werbebusiness hinter sich. Ihr Gesicht war etwa in einer Kampagne der israelischen Fluggesellschaft El Al zu sehen.

Bereits mit ihrem Spielfilmdebüt im Jahr 1991 bewies sie, dass sie das Zeug zu tiefgründigen Rollen und Stoffen hatte. An der Seite von Sophie Marceau spielte sie die Figur der Judith im Drama „Im Schatten der Golanhöhen“. Der Film spielt während des Sechstagekriegs in Israel im Jahr 1967.

Internationaler Durchbruch

Der Film bildete den Ursprung von zwei roten Fäden in ihrer Arbeit. Der eine ist die Nähe zum französischen Film. Abecassis, deren Mutter eine israelisch-marokkanische Sängerin ist, spricht fließend Französisch. Ihren Durchbruch als Schauspielerin hatte Abecassis mit der israelisch-französischen Koproduktion „Kadosh“ von Amos Gitai (1999). Der Film spielt im ultraorthodoxen Milieu Jerusalems und Abecassis eine Frau, die keine Kinder gebären kann. Kadosh war der erste israelische Film seit damals 25 Jahren, der im Wettbewerb in Cannes lief. So wurde Abecassis einem internationalen Publikum bekannt.

Der zweite rote Faden in Abecassis’ Arbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt. Obwohl Abecassis sich als Pazifistin bezeichnet, spiegelt das Thema Krieg sich oft in ihren Rollen wider. In der israelischen Fernsehserie „Hatufim“, die „Homeland“ als Vorbild diente, spielte sie Talia, die Frau eines Kriegsgefangenen. Über die Serie sagte sie einmal: „Als Israeli ist man immer auch ein Gefangener des Krieges.“

„Ich bin Pazifistin, aber meine Söhne gehen in den Krieg“

„Ich lebe in diesem unauflösbaren Widerspruch“, sagte sie in einem weiteren Interview, „ich bin Pazifistin, aber meine Söhne werden in den Krieg gehen.“ In Israel müssen alle jungen Erwachsenen einen mehrjährigen Militärdienst leisten. In einer Konfliktregion wie Israel bedeutet das meistens nicht nur Training, sondern auch den tatsächlichen Gebrauch an der Waffe im Ernstfall. Eine schwierige Situation für eine zweifache Mutter wie Abecassis.

Ein anderes Thema, das Abecassis am Herzen liegt, sind Frauenrechte. Ihre Organisation „Women’s Spirit“ kümmert sich um Vergewaltigungsopfer. 2011 gründete sie ihre eigene Produktionsfirma „Cassis Films“. Einen Schwerpunkt der produzierten Spiel- und Dokumentarfilme bilden sozialkritische Themen und Frauen.

Im Spielfilm „Mein Herz tanzt“, der nun auf ARTE läuft, verkörpert Abecassis Edna, die Mutter eines an multipler Sklerose erkrankten israelischen Jungen, der sich mit einem Palästinenser anfreundet.

Carla Baum

ARTE Highlight: Mein Herz tanzt

Israel, 1982 bis heute: Eyad ist ein junger Palästinenser. Geboren und aufgewachsen in Tira, einem der arabisch geprägten Orte Israels, erhält er als Jugendlicher aufgrund seiner Hochbegabung die Möglichkeit, ein jüdisches Eliteinternat in Jerusalem zu besuchen. Fortan sitzt er in einer Klasse als einziger Muslim unter jüdischen Mitschülern. Er betreut zudem einen gleichaltrigen Jungen im Rollstuhl, was ihm bald neue Möglichkeiten eröffnet. In der schwierigen Suche eines Arabers nach Identität im jüdischen Staat zeigt sich die innere Zerrissenheit eines ganzen Landes.

Mittwoch, 2. August, 20.15 Uhr

Online verfügbar bis 9. August

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Kategorien: August 2017