Daniel Brühl, Daniel Kehlmann, Ich und Kaminski, Jesper Christensen

JESPER CHRISTENSEN: „KÜNSTLER SIND NICHT IMMER ANGENEHME GESELLSCHAFT“

Der dänische Schauspieler spielt in „Ich und Kaminski“ einen greisen, blinden Maler. Dem ARTE Magazin hat er verraten, was ihn an der Figur gereizt hat.

Der dänische Schauspieler Jesper Christensen ©Jo Krausz

Vier Stunden Maske pro Drehtag – danach war Jesper Christensen fast nur noch an seiner authentischen Körpersprache zu erkennen. In der Mediensatire „Ich und Kaminski“, die Wolfgang Becker nach der Romanvorlage von Daniel Kehlmann verfilmte, verkörpert der Däne einen greisen, blinden Maler. Der wird von dem Journalisten Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) genötigt, intime Details aus seinem früheren Liebesleben und seiner Freundschaft zu Matisse und Picasso preiszugeben.

Der 69-jährige Däne kennt auch Hollywood von innen. In den jüngsten drei „James Bond“-Filmen spielt er den ominösen „Mr. White“, auch in Lars von Triers Endzeit-Epos „Melancholia“ hatte er eine Rolle.

ARTE Magazin: Was ist für Sie die größte Herausforderung in Ihrem Beruf, was macht Ihnen am meisten Spaß?

Jesper Christensen: Arbeitstage mit Überlänge sind eine Herausforderung. Freude macht es, ein jedes Projekt mit eigenen Ideen zu befruchten.

Was war die größte Herausforderung in der Rolle des Manuel Kaminski?

Vier Stunden Maske – und darauf einen langen Tag. Hart für einen älteren Herrn …

Was mochten Sie an der Figur des Manuel Kaminski?

Der ist ja ein so armer Mensch. Ganz furchtbar. Hat aber Liebe in sich. Und wird ja dadurch von mir und hoffentlich auch vom Publikum ins Herz geschlossen.

Manuel Kaminski war Maler, blind und Schüler von Matisse, Freund von Picasso. Hätten Sie auch gerne solche Bekannten, hätten Sie Matisse und Picasso auch gerne einmal persönlich getroffen?

Große Künstler sind nicht immer angenehme Gesellschaft. Ich bin mit meinen alten, guten Freunden sehr zufrieden.

Wann brauchen Sie eine Auszeit? Ziehen Sie sich auch auf eine Hütte in der Einsamkeit zurück (so wie die Rolle Manuel Kaminski in ein Chalet in den Alpen)?

Ich bin sehr gern allein. Am liebsten am Meer.

Welche Auskünfte würden Sie einem Journalisten wie Sebastian Zöllner (gespielt von Daniel Brühl) geben?

Der Zöllner würde keinen Fuß über meine Türschwelle setzen dürfen.

Text und Interview: Carla Erdmann

ARTE Highlight: Ich und Kaminski

Mit halblegalen Tricks überredet der Kunstkritiker Sebastian Zöllner den blinden und kranken alten Maler Manuel Kaminski zu einer Reise zu dessen totgeglaubter Jugendliebe Therese, um die Szene in seiner geplanten Kaminski-Biografie zu benutzen. Die Reise bringt aber vor allem Zöllner an seine finanziellen und emotionalen Grenzen. Zur Krönung muss er nach einem enttäuschenden Zusammentreffen mit Therese feststellen, dass Kaminski ihn die ganze Zeit benutzt hat.

Freitag, 21. Juli, 20.15 Uhr

Kategorien: Juli 2017