A bigger splash, David Hockney, KUNST, Malerei, Pop Art

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Der Malerstar David Hockney feiert 80. Geburtstag. ARTE zeigt, wie der Brite mit Stilen experimentiert und so Sehgewohnheiten auf den Prüfstand stellt.

Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) (1972) Art Gallery of New South Wales/Jenni Carter © David Hockney

Der am 9. Juli 1937 in Bradford, Yorkshire, geborene Künstler David Hockney liebt es, aus dem Rahmen zu fallen. Seit mehr als 60 Jahren ist er produktiv. Nahezu jährlich öffnen mehrere Ausstellungen parallel, der Brite ist ein Publikumsmagnet bei Museumsbesuchern. Auch auf dem Kunstmarkt rangiert Hockney auf den oberen Rängen: Seine Gemälde erzielen Werte von bis zu 2,5 Millionen Pfund. ARTE widmet dem Maler zu seinem 80. Geburtstag eine Dokumentation, die seltene Einblicke in sein Schaffen bietet. Mit einer umfangreichen Retrospektive zeigt das Centre Pompidou noch bis zum 23. Oktober 2017 mehr als 200 seiner Arbeiten. Die facettenreiche Schau illustriert Hockneys Interesse an der Verwendung moderner technischer Bildwiedergaben.

Montierte Wirklichkeit

Seit den 1950er Jahren ist Hockney vor allem für seine Pop-Art-Swimmingpoolbilder wie „A Bigger Splash“ (1967) und seine farbenfrohen Landschaftsinterpretationen bekannt, darunter „Nichols Canyon“ (1980). Bei den expressiven Farben gibt er Henri Matisse als Inspiration an. Die Kubisten bewundert er dafür, wie sie die Wirklichkeit zerlegen und wieder neu zusammensetzen.

Picasso ist für ihn ein Vorbild, was die stilistische Vielfalt betrifft. So experimentiert Hockney in seinem Œuvre mit Malerei, Fotografien, Radierungen, Videoinstallationen und Zeichnungen, die er mithilfe von Fotokopierern, Faxgeräten, Filmen und Videos erstellt. Der Umgang mit Fotos oder Polaroids zieht sich als Thema durch seine Arbeit. Vor rund acht Jahren entdeckte der Künstler sogar das iPad für sich. Ihn fasziniert daran, die Bilder sofort an Freunde verschicken zu können.

„Vielschichtiges Vorgehen

Immer wieder stellt er dazu seine provokanten Thesen zur „visuellen Magie“ in den Raum: Die Fotografie – das bildgebende Medium des Medienzeitalters – „ist am Ende“, konstatierte der Künstler in einem Interview mit dem „Spiegel“ 2005. Eine statische Raumkonzeption zwinge uns auf, so zu schauen wie ein Fotoapparat. „Wir müssen lernen, die Spiegelreflexkamera in unseren Augen zu überwinden.“

In seinem vielschichtigen Vorgehen spielt der Künstler deshalb mit Sichtachsen, Raumkonzeptionen und Perspektiven, um unsere eingefahrenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Als stilistisches Mittel arbeitet Hockney oft mit sogenannten aspektivischen Abbildungen, bei denen verschiedene Sichtwinkel der dreidimensionalen Wirklichkeit in zweidimensionaler Weise dargestellt werden.

So schafft Hockney naiv wirkende Bilder mit unstimmigen Perspektiven, die uns – verstärkt durch pop-artig verfremdete Farben – zwingen, etwas anderes zu sehen als die Wirklichkeit. Es lohnt sich.

Carla Susanne Erdmann

David Hockney – Die wiedergefundene Zeit

Neue Perspektiven: In seiner Umgebung findet David Hockney seine Motive, doch bei der Suche nach dem, was „Realität“ ist, zieht er weite Kreise. Über den unermüdlichen Maler und sein Werk.

Kunstdoku

Sonntag, 16. Juli, 17.20 Uhr

Kategorien: Juli 2017