Belugawale, Moby Dick, Wale
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BELUGAWALE: SANFTE RIESEN

Eine ARTE-Dokumentation beleuchtet das Schicksal der Belugawale im Showgeschäft. Wir haben Zahlen, Fakten und Geschichten über die faszinierenden Tiere gesammelt.

Belugawale – faszinierende und intelligente Tiere © Alamy

Moby Dick zu Besuch im Rhein

Belugawale werden auch Weißwale genannt und kommen vor allem an den Küsten Kanadas, Alaskas und Russlands vor. In Europa findet man sie nur an der nördlichsten Spitze Norwegens – doch einzelne Tiere haben sich auch schon gen Süden verirrt. Große Aufregung gab es im Mai 1966, als ein Weißwal im Rhein gesichtet wurde. Die Schiffer, die das Tier der Wasserschutzpolizei meldeten, mussten als Erstes einen Alkoholtest über sich ergehen lassen. Ein Wal im Rhein – und dann auch noch ein Belugawal? Das konnte niemand so recht glauben.

Doch es stimmte: „Moby Dick“, wie der Wal bald getauft wurde, sollte eigentlich in einen englischen Zoo gebracht werden. Doch das Transportschiff kenterte in einem Orkan, der Wal entwischte in der Nordsee. Moby Dick blieb mehrere Wochen im Rhein. Fangversuche scheiterten, auch weil sie durch Umweltaktivisten gestört wurden. Erst Mitte Juni gelang es, das vier Meter lange Tier zurück in die Nordsee zu leiten – auf seinem Weg wurde es teilweise sogar von Polizeiautos eskortiert.

We are family

Belugawale sind keine Einzelgänger – am wohlsten fühlen sie sich im Kreise ihrer Familie. Meist werden etwa zehn Tiere zusammen gesichtet, doch auch große Gruppen von bis zu hundert Tieren wurden schon beobachtet. Zu regelrechten Belugawal-Massen kommt es während der Paarungszeit. Da kommen teilweise mehr als tausend Tiere auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin zusammen.

Kanarienvögel der Meere

Die wendigen Weißwale sind äußerst musikalisch: Wegen ihres großen Klangrepertoires werden sie bisweilen „Kanarienvögel der Meere“ genannt. Die Form der charakteristischen Beule am Kopf verändern die Tiere gezielt – und damit auch die Tonhöhe ihrer Kommunikation. Die Wale singen, um sich miteinander zu verständigen, etwa um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen. Auch ihr Gehör ist phänomenal. Mithilfe von Echoortung jagen Belugawale ihre Beute in den Tiefen der Meere.

Menschliche Züge

Belugas können den Kopf drehen und sogar nicken. Nur wenige andere Delfin- und Walarten sind dazu in der Lage. Forscher aus den USA haben außerdem herausgefunden, dass ein in Gefangenschaft lebender Weißwal, der viel mit Menschen in Kontakt war, menschliche Stimmen imitieren kann. Ein Forscher hatte während eines Tauchgangs Rufe des Wals vernommen, nach seinen Angaben rief der Wal „Out“.

Auch die Lebenserwartung eines Weißwals ist nahe der eines Menschen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Tiere bis zu 70 Jahre alt werden – vorausgesetzt, sie leben nicht in Gefangenschaft.

Eingesperrt und gejagt

In der Vergangenheit wurden Weißwale kommerziell bejagt, vor allem wegen des Trans und ihres Fleisches. Seit mehreren Jahrzehnten sind die Tiere nun unter Schutz gestellt. Doch auch heute werden sie in manchen Regionen noch gejagt – im Norden Russlands etwa, auch einige Inuit-Völker gehen noch auf Waljagd. Eine andere Bedrohung stellt für Wale das Showbusiness dar. Viele von ihnen werden in Freizeitparks oder Aquarien eingesperrt und trainiert, um vor Publikum Tricks vorzuführen. Auf dieses Leid der Belugawale macht die ARTE-Doku „Zum Leiden verdammt – Das Geschäft mit den Belugawalen“ aufmerksam.

Frank Lassak, Carla Baum

ARTE Highlight: Zum Leiden verdammt – Das Geschäft mit den Belugawalen

Die drei russischen Meerestaucherinnen Gaya, Tanya und Julia teilen eine gemeinsame Passion: das Tauchen mit Walen und Delfinen. Erschüttert über einen offenen Brief von Kim Basinger an Präsident Putin, der den Import von lebenden Walen in die USA kritisiert, beschließen die drei, dem Vorgehen im Walhandel nachzugehen. Getrieben durch den Wunsch, die Wahrheit zu finden, begeben sie sich immer tiefer in die Machenschaften des internationalen Walhandels. Der Blick wird in dem Dokumentarfilm auf das geworfen, was dem Besucher von Show-Delfinarien nicht gezeigt wird: die qualvolle Haltung der Tiere, begonnen beim grausamen Fang in den Weltmeeren bis hin zum profitorientierten Verkauf.

Dienstag, 18. Juli, 20.15 Uhr

Kategorien: Juli 2017