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WRACKS AUS DEM ZWEITEN WELTKRIEG – TICKENDE ZEITBOMBEN

Weltweit liegen über 6.000 Schiffwracks aus dem Zweiten Weltkrieg auf den Meeresböden. Viele von ihnen haben Tonnen von Öl und Treibstoff an Bord – und das Material der Behälter verfällt. Eine Gefahr für die Umwelt.

Weltweit gibt es mehr als 6000 Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg © Längengrad Filmproduktion

Regelmäßig fährt Benedyct Hac vom Marineinstitut Danzig mit seinem Team aufs Meer hinaus und stattet seinem Sorgenkind einen Besuch ab. Hier, nur zwei Kilometer vor der Küste, liegt das alte Lazarettschiff „Stuttgart“, versenkt von Englischen Fliegerbombern 1943. In den Geschichtsbüchern taucht das Ereignis wenn überhaupt nur am Rande auf – doch es bekommt nun, mehr als 70 Jahre nach Ende des Kriegs, eine erschreckende Aktualität: Aus der maroden Substanz des Schiffs tritt Öl aus. Die Bodenproben, die Hacs Team sammeln, zeigen: Es droht eine Umweltkatastrophe. Direkt vor den Stränden, an denen sich im Sommer Urlauber und Einheimische tummeln.

Öl und Treibstoff verpesten das Wasser

Die „Stuttgart“ ist bei Weitem kein Einzelfall. Weltweit liegen 6.338 Schiffe aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Meeresboden. An Bord haben sie Tausende Tonnen Rohöl und Treibstoff, die nun ins Meer austreten, weil das Material der Behälter immer älter wird und verfällt.

Aufsehen erregte etwa der Fall der „Blücher“, ebenfalls ein deutsches Kriegswrack vor der Küste Norwegens. Vor rund 15 Jahren entdeckten Taucher Risse im Rumpf. Das austretende Öl konnte nicht einfach abgepumpt werden, da sich auch Munition an Bord befand. Die örtlichen Einsatzkräfte hatten die Befürchtung, dass das Wrack explodieren könne. Immer mehr Öl trat aus und verschmutzte das Gewässer.

In Vergessenheit geratene Bedrohungen

Nicht nur in Europa bereiten die Wracks Wissenschaftlern und Bürgern Sorgen. In der Lagune von Chuuk in Mikronesien, im Pazifischen Ozean, war im Jahr 1944 eine der größten Seeschlachten des Zweiten Weltkriegs. Über 50 japanische Kriegsschiffe liegen hier unter Wasser. Die Tonnen von Öl, die sie an Bord haben, bedrohen nun die Südseeidylle.

Jahrzehntelang waren die Wracks in Vergessenheit geraten oder das beliebte Ziel von Tauchern. Nun werden sie zu einer Bedrohung. Viel Zeit zum Handeln bleibt nicht: Es gibt immer mehr Risse in den Tanks, wodurch immer mehr Öl ins Meer strömt. Fische verenden, die Böden werden nachhaltig verseucht.

Warum wird angesichts dieser drohenden Umweltkatastrophen nicht mehr Energie in Öl-Bergungsarbeiten gesteckt? Die Abfuhr von Öl und das Säubern des Wassers sind extrem teuer. Vielerorts wird deshalb davor zurückgeschreckt, sich des Problems anzunehmen – gerade in Ländern, in denen es an allen Ecken und Enden an Geld fehlt. Eines jedoch ist sicher: Kommt es zum äußersten Fall, einer Öl-Katastrophe, ist der Schaden nicht nur teuer, sondern oft irreparabel.

Carla Baum

ARTE Highlight: Vergessene Wracks

Vor den Küsten der Welt liegen tickende Zeitbomben, von denen die Öffentlichkeit bisher kaum etwas ahnt: 6.300 Wracks, gesunken im Zweiten Weltkrieg, verrosten seit mehr als 70 Jahren im Meer. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, stellt alle bisherige Ölkatastrophen in den Schatten: Als 1989 der Tanker „Exxon Valdez“ vor Alaska auf Grund lief, verseuchte er die Küste mit 37.000 Tonnen auslaufenden Rohöls. Ein Bruchteil dessen, was in den Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet wird: Forscher schätzen die in ihnen verbliebene Menge Öl auf bis zu 15 Millionen Tonnen.

Samstag, 1. Juli, 22.00 Uhr und bis 8. Juli online auf arte.tv

Kategorien: Juli 2017